Veröffentlicht in Permakultur

Die Agnikultur, auch ein Teil der Permakultur!?!

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

heute stelle ich Euch gerne wieder einen Artikel zur Verfügung aus meiner bereits vergriffenen Ausgabe der Waldgartenzeitschrift von 2017. Es handelt sich um den Artikel zum energetischen Gärtnern. Ich persönlich finde, es handelt sich hierbei um sehr interessante Informationen, doch es kann bestimmt nicht jeder etwas damit anfangen, deshalb pickt Euch einfach das, was für Euch wichtig ist, heraus und lasst übriges einfach links liegen. Wir selbst schaffen es auch nicht oft momentan das Agnihotra selbst durchzuführen, doch tut es immer gut, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen! Bald stelle ich Euch auch gerne den Artikel zum Agnihotra von Frank Bernd Schellhammer vom Homa Hof Heiligenberg zur Verfügung und auch den Artikel von Udo Pollack zum Bienensiebenstern. Beides gehört nämlich zu diesem Thema mit dazu. Doch nun wünsche ich Euch viel Freude beim Lesen!

Die Agnikultur, energetisches Gärtnern

  • Im Gedenken an Michael Wüst

Es braucht immer Pioniere, Leute die einfach TUN; die sich durch Widrigkeiten nicht  abschrecken lassen, die ihr Leben anders leben, als es der Großteil der Bevölkerung tut.

Michael Wüst war so ein Mann. Leider durfte ich ihn nicht persönlich kennen lernen.

Dieser Artikel soll beitragen, das gesammelte Wissen von ihm, weiter zu tragen.

Viele werden die Agnikultur vielleicht schon kennen, aus Artikeln der Raum & Zeit, der Kent-Depesche, vielleicht vom Alpenparlament, doch ich finde,  dass manches einfach der Wiederholung bedarf, bis Mann/Frau zur Tat schreitet.

Über Michael Wüst

Ein Weltenbummler, der durch die Geburt des ersten Kindes aktiv zu handeln begann. Seine Frau, eine Berberin, und er lebten zuerst in Afrika, später in Deutschland und Marokko. Er hat sich aktiv mit den Themen Impfen, Anbau von gesunden Lebensmitteln auf kleineren Räumen, gesundes Leben usw. auseinandergesetzt, sammelte Wissen und hinterließ uns auf seiner Internetseite zusätzlich alte überlieferte Schriften zum freien Download. Er behielt nichts für sich, sondern setzte auf Wissensvermehrung durch Verbreitung. Ein Mensch, an dem wir uns ein gutes Beispiel nehmen dürfen und der leider viel zu früh im Juli 2015 das Erdendasein verließ.

Seine Agnikultur, ein Wortspiel zusammengesetzt aus Agnihotra, dem vedischen Feuer-Ritual, der Perma- und Elektrokultur, beinhaltet das Wissen, auch auf kleinsten Gartenräumen erfolgreich und sehr gesund, reichliches  und großes Gemüse wachsen zu lassen.

Wir müssen es nur noch kennenlernen, Erfahrungen sammeln  und das Wissen in die Tat umsetzen.

Das Agnihotra-Ritual

Die Basis der Agnikultur. Dazu findet Ihr einen gesonderten Artikel im kommenden Blogbeitrag, von den bereits seit Jahrzehnten erfahrenen Leuten vom Homahof Heiligenberg.

Die Pyramide

Nach dem Vorbild der Pyramiden von Gizeh und weiteren Pyramiden, Flach-, Spitz- und Stufenpyramiden, kann diese aus Holz, Kupfer, Draht, Kabel, Nylon, Licht, usw. leicht hergestellt werden. Unsere Pyramide im Waldgarten ist aus Kupferrohren. Innen soll noch eine Stufenpyramide aus Holz eingebaut werden. Dies geht bei mir jedoch so langsam vonstatten, weil ich die Erde mit Schubkarren so weit fahren muss, dass mir das meist zu anstrengend ist. Deshalb hab ich erst die 1. Stufe. Mein Trost: Mit jeder Stufe wird es leichter und schneller, weil weniger Erde benötigt wird.

Ein Rutengeher hat bemerkt, dass die Wasserader, auf der genau meine Pyramide steht, jeweils 1 m vor und hinter dieser nicht mehr zu spüren ist. Setz ich mich mitten in die Pyramide, spüre ich die gute Energie und kann danach frisch aufgetankt wieder an die Arbeit gehen.

Was man unbedingt beachten sollte beim Bau:

– die Maße müssen passen (auf www.agnikultur.de gibt es einen Pyramidenrechner)

– sie muss mit den Längsseiten den Himmelsrichtungen ausgerichtet sein.

Das Ergebnis, das ich selber bereits erleben durfte mit einer Rosenkohlpflanze:

  • Das Gemüse wächst wesentlich größer, stärker und üppiger
  • Das Gemüse ist gehaltvoller und geschmackvoller
  • Das Gemüse braucht nicht gegossen zu werden
  • Das Gemüse ist winterhärter

Gleich im Frühling werde ich meine Stufenpyramide fertig bauen und mit Pflanzen bestücken. Ich freue mich schon auf die Ernte!

Die jeweilige Pyramide darf auch ganz klein sein, z. B. mit einer Grundseitenlänge von 30 cm. Dies hat den gleichen Effekt auf Saatgut und Pflanzen!
Saatgut welches für einige Zeit (von mehreren Stunden bis mehreren Jahren) in einer Pyramide gelagert wurde keimt schneller. Die daraus wachsenden Pflanzen sind in der Regel größer, wachsen schneller und sind auch weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten aller Art. Daher  ist es sinnvoll sich diese Effekte zu Nutze zu machen, zumal es vollkommen unerheblich ist ob es eine wunderschön verzierte teure Kupferblechpyramide ist oder ob es einfach nur ein paar Meter Weidezaun zu einer Pyramide abspannen ist.

Es werden keine massiven oder geschlossenen Körper benötigt, es genügt wenn die Kontur nachempfunden wird. Das vereinfacht die Sache natürlich enorm. So kann man mit Draht, Schnur, Rohren und Latten arbeiten, was sofort die Kosten überschaubar macht, selbst wenn man etwas in 2-3 m  Größe plant.
Die Konstruktion ist sehr einfach. Um den Böschungswinkel von  ~ 51°Grad (Pyramide von Gizeh) zu erreichen genügt es die Seitenlänge mit 0,952 zu multiplizieren.

Beispiel:
Die Basis hat man aus Baumarkt – Wasserrohren geplant und soll daher 2,5 x 2,5m groß sein, d. h.  man nimmt die 2,5 m und multipliziert sie mit 0,952 um die genaue Länge der Rohre zu erhalten die die Ecken mit der Spitze verbinden. In diesem Falle:  2,5m x 0,952 = 2,38m

Mit der Höhe geht es ebenso einfach. Sie multiplizieren Ihre Basis mit 0,636 und schon wissen Sie wie hoch Ihre Pyramide wird.

Die Elektrokultur

Die Elektro-Kultur

Michael Wüst beschreibt die Elektrokultur so: „Eine alte „europäische“ Anbaumethode bei der durch Verstärkung der natürlichen elektromagnetischen Felder im Boden das Wachstum und die Gesundheit der Flora positiv und in Harmonie mit der Natur beeinflusst werden. „

Entdeckt hat man diese Wirkung in Gärten entlang von Bahngleisen, die von Nord nach Süd ausgerichtet waren. In diesen Gärten wuchsen die Pflanzen in Gleisnähe um ein vielfaches üppiger. Man forschte bereits im 18. Jhd. weiter und ein Büchlein von 1930 beschreibt den Orga-Urkult. Leider wurden in Deutschland all diese wertvollen Aufzeichnungen (es gab sehr viele Forschungsergebnisse) komplett vernichtet. In Frankreich waren noch einige erhalten. Michael Wüst hat die Niederschrift des Orga-Urkult auf seinen Seiten zum freien Download. Seit über 10 Jahren hab ich diese in Kopie bereits zu Hause. Doch als technisch total unbegabte Frau hab ich es noch nicht bis zur Umsetzung geschafft. Doch ich kenne dafür Leute, die es machen. Ist ja immerhin auch etwas. Rupert Peterlechner vom Anastasialand in Oberösterreich zum Beispiel. Er legt die Elektrokultur in seine Hügelbeete. Das Ergebnis? Die Salate reichen für eine Familie eine ganze Woche und der Kohlrabi ist Kindskopfgroß. Oft hat er sogar Probleme dieses tolle Gemüse zu verkaufen, weil die Leute nicht glauben, dass der Kohlrabi innen nicht holzig ist. Wir haben ihn innerhalb unseres Permakultur-Stammtisches letztes Jahr besucht.

Michael Wüst schreibt dazu noch auf seinen Seiten:

Es gibt mehrere Ansätze zum Anlegen einer Elektrokultur.

  • Das Einbringen von Drähten in Nord-Südrichtung und mit je einer Antenne ausgestattet.
  • Das Einbringen von Drähten in Nord-Südrichtung, welche untereinander verbunden und mit einer Antenne ausgestattet sind.
  • Das Einbringen von Drähten in Nord-Südrichtung mit je einer Magnetantenne ausgestattet.
  • Das Einbringen von Drähten in Nord-Südrichtung, welche untereinander verbunden und mit einer Magnetantenne ausgestattet sind.
  • Das Einbringen von Drähten in Nord-Südrichtung mit paramagnetischem Gesteinsmehl oder Magnetit umgeben.
  • Das Installieren einer Erdantenne welche in gleichmäßigem Abstand mit einem Drahtgeflecht umgeben ist
  • Installieren (vergraben in Feld und Boden) von Erdmagnetantennen  in bestimmten Abständen

Ferner ist zu beachten, dass es durch verschiedene Stärken der Drähte sowie deren Installationstiefe und durch verschiedene Typen von Magneten bzw. Antennen, wohl auch zu stark variierenden Ergebnissen kommen dürfte.

Auch Bodenbeschaffenheit, Wasserhaushalt und andere Faktoren dürften für variierende Ergebnisse sorgen.
Jedoch ist bei Versuchen auf vergleichbaren Feldern immer ein Unterschied messbar und oft genug auch sehr deutlich zu sehen. Spätestens wenn das Kartoffelkraut höher als ein Meter steht oder der Roggen auf über 2 Meter schießt ist klar dass hier etwas passiert welches mit konventionellem Landbau nichts zu tun hat.

Dies heißt nicht dass es nicht auch andere Möglichkeiten gibt Pflanzenwachstum und Gesundheit zu stimulieren um auf vergleichbare Ergebnisse zu kommen. Saatgut welches in Pyramiden informiert wurde oder Agnihotra sind nur zwei weitere Beispiele, welche  Möglichkeiten es gibt die Natur in deren Arbeit zu unterstützen.

Die Lakhovsky-Spule

Georges Lakhovsky war ein russischer Erfinder der in der Nähe von Minsk geboren wurde. Er bereiste Europa und studierte in Paris Ingenieurswissenschaften, Straßen- und Brückenbau und auch Medizin. Lakhovsky  entwickelte 1923 ein eigenes Verfahren zur Behandlung von Krebserkrankungen mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern bei Geranien, das auf Ideen von D’Arsonval und der Technik von Tesla beruhte. Etwa 1930 erfand Lakhovsky einen Multiwellenoszillator (multiple wave oscillator MWO), den er in Frankreich und in den USA patentieren ließ. Im Prinzip handelte es sich dabei um einen Kurzwellensender mit variabler Sendefrequenz. In der Folge behandelten er und Anwender seiner Technik mit diesem Gerät mehrere Patienten, die an Krebs erkrankt waren. Er erreichte spektakuläre Erfolge und publizierte diese. Während des 2. Weltkrieges wanderte er mit seinem Sohn Serge in die USA aus. Dort behandelte und heilte  er sehr erfolgreich tausende von Menschen mit seinem Multiwellenoszillator. 1942 wurde er  in New York angefahren und gegen seinen Willen in ein Krankenhaus gebraucht, in dem er verstarb. Seine Oszillatoren wurden danach als Quacksalberei abgetan und wurden verboten. (Quelle: Wikipedia)

Warum ich das hier schreibe? So ein Oszillator ist unerklärlich. Wir verstehen einfach noch viel zu wenig von den Gesetzen der Natur und haben wahrscheinlich auch etwas Angst davor. Ich kenne diesen Oszillator und seine Wirkung nicht, jedoch die einfache Variante der Lakhovsky – Spule, um Bäume und Pflanzen zu retten.

 „SOFORTHILFE
FÜR KRANKE PFLANZEN, BÄUME, etc.

Die Lakhovsky Spule, ein absolutes Zaubermittel welches in den meisten Fällen selbst Pflanzen die kurz vor dem Sterben sind wieder auf die Beine hilft.
Binnen  zwei Minuten gemacht und angebracht. Nehmen Sie einen Kupferdraht, ein simples Stromkabel genügt. Den isolieren sie an den Enden ein paar Zentimeter ab und biegen einen Kreis.
Fixieren Sie ihn so dass die  zwei  Enden ein wenig überlappen und er die Pflanze ein wenig über dem Boden umschließt.
Die Enden dürfen sich nicht berühren.  Die Seite, in der sie sich überlappen, muss nach Norden zeigen (notfalls einen Kompass einsetzen).
Auch soll die Spule die Pflanze nicht berühren und leicht schräg stehen, nicht auf dem Boden liegend. Das ist schon alles.“
(www.agnikulutr.de/wissen.html)

Wir brauchen also einen Stock mit zwei übereinander liegenden Löchern. Der Stock muss im Norden stehen und die Kupferdrahtspule aus dem Baumarkt oder Elektromarkt  muss einen entsprechenden Durchmesser aufweisen (der Pflanze eben angepasst).

Der Kraftturm

Dieser hat als Vorbild einen großen Steinturm auf einer irländischen Insel. Die Insel war unbewohnt, jedoch bekannt für das beste Gras. Deshalb schipperten die Bauern ihre Kühe auf diese Insel, um sie dort einige Zeit weiden zu lassen. Prof. Phil Callahan fand die Verbindung dieser Türme zum üppigen Graswachstum. „Da er sich bereits zuvor mit dem Phänomen des Paramagnetismus auseinandergesetzt hatte, fiel ihm auf, dass 25 der irischen Rundtürme aus Kalkstein bestehen, der wegen seines Tongehalts ungewöhnlicherweise paramagnetisch ist; 13 aus rotem, paramagnetischen Sandstein und der Rest aus Basalt, Tonschiefer und Granit, alle ebenfalls paramagnetisch. Das Turmgestein stammt nicht immer aus der Gegend, da ausschließlich paramagnetisches Gestein ausgewählt wurde.“ (Quelle: Nexus-Magazin)

Diese Türme können natürlich in klein für unsere Gärten nachgebaut werden. Rupert Peterlechner warnt aber davor, denn nicht nur das Wachstum verstärkt sich, auch Wahrheiten offenbaren sich unweigerlich. Besonders im persönlichen, zwischenmenschlichen Bereich. Das kann manchmal schwerwiegende Folgen haben! 

Die Krafttürme schaffen also durch die Veränderung,  bzw. Erhöhung des Magnetfeldes vor Ort das Gemüse auf eine Urinformation zurück zu bringen (ähnlich wie bei der Elektrokultur). Vielleicht ist einigen von Euch auch der Begriff Urzeit-Code ein Begriff?

Unsere Ur-Pflanzen schienen jedenfalls wesentlich größer gewesen zu sein, die Maispflanze hatte nicht nur zwei bis drei, sondern bis zu sechs Kolben. Die Getreideähren waren nicht nur länger, die einzelne Pflanze an sich ließ mehrere kräftige Halme wachsen, usw. Dass unser Erdmagnetfeld früher stärker war, als heute, dürfte auch bekannt sein. Doch wisst Ihr auch, dass die Stärke des Erdmagnetfeldes etwas mit den Wurzeln unserer Bäume zu tun hat? Deshalb sollten wir Sorge tragen, wieder mehr Bäume zu pflanzen und alte, starke Bäume zu erhalten. Gesunde Bäume und keine Monokulturwüsten von Nutzwäldern.

Wir alle sind verantwortlich für unser TUN.

Übrigens lohnt es sich Basaltmehl im ganzen Garten als Gesteinsmehl auszubringen. Allein schon dadurch können wir das Pflanzenwachstum rein durch das sich aufbauende leichte Magnetfeld verbessern.

Zusammengefasst kann die Agnikultur:

  • Agnikultur säubert vergiftete Böden und Atmosphäre, beschert Rekordernten, schnelleres Wachstum sowie eine Qualität besser als BIO.
  • Agnikultur ist ein System Pflanzen schnell, groß und gesund wachsen zu lassen, mit mehr als beeindruckenden Resultaten
  • Agnikultur kombiniert Wissen und Erfahrungen aus Permakultur, Agnihotra, Elektrokultur, Pyramidenforschung und anderen erprobten Techniken.
  • Agnikultur kann für das Anlegen eines Blumentopfes ebenso genutzt werden
    wie die Gestaltung eines großen Landgutes.
  • Agnikultur beschleunigt die Entgiftung der Böden und der Atmosphäre sowie
    das Pflanzenwachstum zu einem Maximum.
  • Agnikultur ist simpel und einfach zu lernen, kein Geldbeutel ist zu schmal und kein Garten zu klein um eine Agnikultur anzulegen.
  • Agnikultur ist ein fortwährender Prozess bei dem Kooperation und  Weiterentwicklung im Vordergrund stehen.
  • Agnikultur ist ein großer Schritt in die Freiheit dadurch dass man sein eigenes gesundes Essen wachsen lässt.
  • Agnikultur verbindet Menschen rund um die Welt.

Na, neugierig geworden?

Hier findet Ihr noch wesentlich mehr zum Nachlesen:

www.agnikultur.de

www.nexus-magazin.de/artikel/lesen/das-geheimnis-der-irischen-rundtuerme-teil-2-krafttuerme-fuer-hof-und-garten

www.anastasialand.at

www.homahof-heiligenberg.de

Dieser Artikel sollte eine Anregung sein. Wichtig ist nur, dass jeder auch ins TUN kommt! Jetzt!

Einzelne Textstellen sind der Seite www.agnikultur.de von Michael Wüst entnommen.

Danke, lieber Michael, dass Du uns diese faszinierende Welt der Agnikultur eröffnet hast!

Veröffentlicht in Permakultur

Streuobstwiese vs. Waldgarten

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

von März bis Oktober habe ich mich nun weitergebildet und die Ausbildung zum Baumwart im Lehr- und Beispielbetrieb für Obstbau in Deutenkofen bei Landshut absolviert. Ein gigantisch umfangreiches Thema rund um unser Kulturobst. Durch diese Ausbildung konnte ich natürlich tiefer in den kontrollierten Obstbau schnuppern (Plantagenanbau), aber auch das Thema Streuobst gründlich von allen Seiten beleuchten. Die letzten Jahre wurden viele Streuobstwiesen gerodet, um sie wieder zu Äcker umzugestalten, was einen enormen Verlust der Artenvielfalt nach sich zog. Bei der Neuanpflanzung kämpft man dann wieder mit dem Thema Wühlmaus und weiteren Faktoren, die eine Natur im Ungleichgewicht so mit sich bringt.

Da ich nun aber doch schon 12 Jahre Waldgartenerfahrung hinter mir habe, konnte ich doch starke Unterschiede feststellen. Bis sich in einer reinen Streuobstwiese ein ökologisches Gleichgewicht einstellen kann, dass dauert lange, außer man hat den Vorteil, dass sich die Streuobstwiese an ein bestehendes Ökosystem anschließen kann. Was aber selten der Fall ist. Auch der Mienbacher Waldgarten mußte von 0 aus starten. Als umgearbeiteter, terassierter Maisacker hatten anfangs die Wühlmäuse freie Hand. Ohne Wühlmausgitter konnte sich kaum ein Baum halten. Erst als sich Hecken und Totholzhecken etabliert hatten, mit diversen Ziegelaufhäufungen, Totholzhaufen und Laub viele Nützlinge, wie Igel, Mauswiesel, Eidechsen usw. und besonders die Vögel in den Hecken nisten konnten, war das Thema Wühlmausschaden und Schädlinge Vergangenheit.

In Streuobstwiesen, die ganz sauber in der Landschaft stehen fehlen dennoch die Unterschlupfmöglichkeiten für die Nützlinge. Bis die Bäume 50 Jahre alt werden und selbst zum Ökotop werden, braucht es eben seine Zeit.

In Streuobstwiesen habe ich nur Äpfel, Birnen, Quitten, Zwetschgen und Pflaumen zu ernten, vielleicht noch ein paar Wildkräuter und Wiesenblumen.

Im Waldgarten kann ich auf gleicher Fläche so viel mehr ernten, dass ich davon leben kann. Die Erntezeit beläuft sich von März bis fast Dezember, je nach Wetterlage. Außer Obst gibt es hier Gemüse, Wildobst, Wildgemüse, Kräuter und viel Wildkräuter für eine ausgewogene Ernährung. Sogar Tiere halten, wie z. B. Hühner, Enten, Gänse, …) macht hier großen Sinn, da diese wiederum Schädlinge vertilgen und Pflegearbeiten übernehmen können.

Obwohl in Streuobstwiesen auf die Vielfalt wert gelegt wird (Magerwiese), kann in einem Waldgarten das geschätzt 10fach und höhere an Vielfalt entstehen. Werde demnächst auch wieder eine Pflanzeninventur aufstellen und auch diese gerne Online stellen. Ihr werdet sie auf www.mienbacher-waldgarten.de unter der Rubrik „Verein“ finden. Dazu stelle ich Euch den Nutzen der Pflanzen, damit Ihr seht, was alles essbar ist, bzw. seinen Nutzen hat.

Tipps gegen Wühlmäuse bei Neuanlage einer Streuobstwiese:

Erhältlich auf www.waldgartenprodukte.de
  • Baumscheibenbepflanzung mit verschiedenen Wurzelarten der Pflanzen und Düften von Wurzel und Blattwerk. Als Beispiel setze ich gerne zu den jungen Apfel- oder Birnbäumen: Meerrettich, Knoblauch, Beinwell, Nickende Distel, Pfefferminze, Melisse und weitere Kräuter und Blühstauden, die Nützlinge anlocken können. Durch die Pfahlwurzler und die verschiedenen Gerüche der Wurzeln rund um den Obstbaum, wird die Wühlmaus vom Obstbaum abgelenkt.
  • Die Tücke des Wühlmausgitters: für lehmige Böden wird verzinktes kleinmaschiges Gitter empfohlen. Dieses zersetzt sich jedoch nicht wirklich und Wurzeln können abgewürgt werden. Das heißt, die Bäume wachsen anfangs schön an, doch eine richtige Verwurzelung mit tieferen Bodenschichten ist nicht möglich. Bei stärkeren Stürmen legt sich also der Baum schief, oder fällt komplett um, die feinen Wurzeln reissen ab und der Baum stirbt dadurch meist ab. Ein wieder aufstellen bringt selten Erfolg. Ein weiterer Faktor ist das Absterben des Baumes, weil dickere Wurzeln durch das Gitter beeinflusst, bzw. abgedrückt werden. Der Baum siecht dahin und stirbt irgendwann total ab, weil er durch die eingeschränkten Wurzeln den Baum nicht mehr versorgen kann.
  • Totholzhaufen bieten jeder Menge Kleintiere Unterschlupf, unter anderem dem Mauswiesel, dem größten Feind der Wühlmäuse. Des Nachts gehen diese kleinen Raubtiere in die Wühlmauslöcher und jagen dort die Nager, oder leeren Nester aus. Auch Maulwürfe fressen junge Wühlmäuse, weshalb ein hohes Maulwurfaufkommen eher von Vorteil ist für die Bäume.
  • Heckenpflanzungen, sind nicht nur für das Kleinklima wichtig, auch weil so viele nützliche Tiere darin Unterschlupf finden. Vögel nisten darin und vertilgen wieder Schädlinge, Igel, Eidechsen, Blindschleichen und natürlich auch die Wiesel finden in der Hecke Unterschlupf
  • Sitzstangen für Raubvögel aufstellen. Ist die Streuobstwiese zwischen Feldern auf freier Flur, macht es Sinn Sitzstangen für Falken und Bussarde aufzustellen. Diese können von dort oben lauern und bei Bedarf zustoßen. Auch Feldmäuse, die im Winter gerne an die Stammrinde gehen, werden von diesen Raubvögeln ergriffen und dezimiert.

Eine Streuobstwiese ist daher ein kulturelles Naturerbe, jedoch noch viel wertvoller zur Versorgung der Region ist ein Waldgartensystem. Denkbar wäre auch Gemüsebau mit Agroforst, das ist dann der Weg in größerer Dimension mit Maschineneinsatz. Unumgänglich sind aber auch hier Hecken für das Mikroklima und das ökologische Gleichgewicht.

Es gibt viele Möglichkeiten Natur mit Vorteil und Wirtschaften können für und mit Menschen zu verbinden. Es ist meiner Meinung nach die Zukunft des Wirtschaftens, um wieder kleine, regionale Kreisläufe aufbauen zu können.

Eure Hanne

Veröffentlicht in Ernte und Haltbarmachen, Permakultur

Das Wissen um die Selbstversorgung

Hallo liebe Freunde des Permagartens,

Die Bücher der Referenten der Selbstversorger-Akademie

dieses Thema Selbstversorgung für alle (geht ja garnicht!) lässt mich nicht los. Meine Theorie ist die, wenn jeder etwas mehr Selbstverantwortung für seine Ernährung übernimmt und selbst ins TUN kommt, dann kann uns eine eventuelle Krise nichts anhaben. Dann sind wir resilient! Bin ich da zu naiv in meinem Denken? Egal, ich war jedenfalls diesen Sommer und Herbst sehr damit beschäftigt meine Speisekammer zu füllen und was soll ich sagen? Ich platze aus allen Nähten. Meine Speisekammer mein ich natürlich. Obwohl, wenn ich das alles gegessen hab, dann ich wahrscheinlich auch .

Hanne im Waldgartendschungel

Besonders liegt es mir aber am Herzen den Garten als Raum der Selbstversorgung als Ganzes zu betrachten. Nicht nur Gemüse ernährt uns, auch Obst, Wildgemüse, Wildkräuter und Wildobst. Besondere Aufmerksamkeit legte bzw. lege ich immer noch (das Erntejahr ist ja noch nicht zu Ende), auf die Ernte außerhalb des Gartens. Natürlich brauchen die Wildtiere auch etwas, doch die leckeren Geschichten rund um Schlehe, Elsbeere, Mispel, Ölweide, Eicheln, in manchen Gegenden auch Maronen machen es wert neben Pilzen im Wald auch nach diesen Früchten Ausschau zu halten. Mein Kursprogramm hab ich jedenfalls für nächstes Jahr erweitert um einen Praxiskurs rund um das Ernten aus der Hecke. Meine Kurse findet Ihr übrigens auf der Seite der Selbstversorger-Akademie unter www.mienbacher-waldgarten.de.

Das Wissen um die Selbstversorgung verinnerlichen wir übrigens nur, wenn wir Tun. Unsere Hände können sich nämlich auch „Abläufe merken“ ;-). Viel Wissen liegt in Euren regionalen Vereinen. Seid Ihr schon Mitglied beim regionalen Obst- und Gartenbauverein? Die jährlichen Mitgliedsbeiträge sind nicht hoch, das Anzapfen jedoch von Wissen schon. Oft werden günstige Onlinekurse über die Landesverbände angeboten, doch auch Praxiskurse. Viel Input läuft auch über die Gartenratgeberzeitschriften usw. und natürlich über die Menschen in der Region vor Ort.

Überlegt Euch, wie Ihr als Familie oder Einzelpersonen in Zukunft leben wollt, wie Ihr Euch ernähren wollt. Wächst für vegane Ernährung viel in Eurem Umfeld? Könnt Ihr Eure flexible Ernährungsweise über die Region decken? Wenn Ihr hier JA sagen könnt, dann seid Ihr auf dem richtigen Weg. Selbst kann ich meinen Bedarf tatsächlich mittlerweile zu bestimmt 70 % aus dem Garten decken. Der Rest kommt über die Region, bzw. manchmal gibt es auch exotisches über foodsharing. Meist würde ich mir das bestimmt nicht kaufen, wenn ich mir aber vorstelle es wegzuschmeißen, dann finde ich das schade. Zumindest kann ich jetzt Kalamari ausnehmen (eine Erfahrung, dich ich gerne vermieden hätte).

Auf meinem Küchentisch liegen jetzt Ende Oktober momentan wirklich exotische Dinge, wie z. B. Indianerbananen oder Birnenmelonen. Die Indianerbananen kamen von einer Nachbarin, die Birnenmelonen hatte ich selbst angebaut. Auch die Quitten duften so herrlich exotisch. Wer braucht da eigentlich noch Südfrüchte??? Wenn alles quasi vor der Haustür wächst! Anregungen findet Ihr auch in meinem Büchersortiment auf www.waldgartenprodukte.de . Neben meinen Publikationen findet Ihr dort natürlich immens viel über alle Bereiche der Selbstversorgung, vom Bier brauen, Wursten, Gemüsebau, Naturkosmetik, Bäume, Obstbau usw.

Als Basisbücher würde ich Euch gerne diese hier empfehlen (hätte noch weitere, doch ich mach mal langsam):

Mein eigenes Wissen baue ich ständig aus und helfe natürlich auch gerne weiter mit Beratungen, Hilfestellungen usw. Viele Vorteile habt Ihr auch, wenn Ihr Fördermitglied des Mienbacher Waldgartens werdet. Von robustem Saatgut, über Pflanzen und Produkte aus der Waldgarten-Manufaktur. Jeden Monat kommt ein Info-Wissensbrief, der auch Eure Kenntnisse ausbauen kann. Das ist jedenfalls mein Angebot an Euch ins Tun zu kommen (ich schubse da ja gerne an!)

Lasst es Euch gut gehen und nutzt noch die leckeren Ernten die uns der Herbst schenkt.

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten

PS: Führungen durch den permakulturellen Waldgarten gibt es wieder ab Mai 2023! Beratungstermine könnt Ihr jederzeit vereinbaren

Veröffentlicht in Ernte und Haltbarmachen

Gewürze aus dem Garten

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

die Hundstage haben jetzt auch bei uns zugeschlagen, es ist einfach Hochsommer. Die Kräuter im Garten sind jetzt vollgepackt mit ätherischen Ölen. Volle Sonnenenergie haben sie getankt und stehen jetzt zur Verfügung, um für den Winter konserviert zu werden. Auch draußen in den Wiesen, insbesondere der Flußdämme, kann jetzt auch gesammelt werden. Dazu ist natürlich ein sicheres Erkennen der Pflanzen erforderlich. Zum Glück gibt es genug Bestimmungsbücher, oder Ihr nutzt Apps (von denen ich selbst nicht immer so überzeugt bin!)

Tee frisch gesammelt aus dem Garten in den Solardörrer

Ich möchte Euch heute gerne anregen, einiges der Kräuter draußen zu trocknen und zu Gewürzen oder Tees weiter zu verarbeiten. Sie stehen uns quasi zum 0-Tarif zur Verfügung, wir brauchen uns nur zu bedienen.

Hier eine Auflistung für Euch mit den Verwendungsmöglichkeiten. Nicht alle kann ich hier im Bild darstellen, deswegen bitte ich Euch einfach, sucht Euch Bilder im Netz oder im Buch. Meiner Meinung nach ist das beste Kräuterbuch „Die Kräuter aus meinem Garten“ vom Freya Verlag. Ihr könnt es natürlich auch bei mir im Onlineshop erwerben. Ebenso das bewährte Bestimmungsbuch „Was blüht denn da“.

Hier schenke ich Euch die Liste für die Gewürzpflanzen und was man daraus machen kann. Entnommen ist sie meinem Pflanzenlistenheft, dass Ihr natürlich günstig erwerben könnt, oben unter Publikationen.

Pflanzenlistenheft, oben unter Publikationen bestellbar

Und natürlich dürfen Rezepte nicht fehlen. Hier bitte schön:

Gewürzsalz: dazu einfach gemischte Gewürze nach Wahl, aus dem Garten oder der Wiese trocknen und im Mixer mit Salz mischen.

Auch einzelne Würzsalze sind toll, meine Favoriten: Rosenblütensalz oder Brennnessel-Artemisia annua Würzsalz.

Besonders die Brennnessel steht ja jetzt zur vollen Verfügung, sammelt sie und ihre Samen, trocknet sie und mischt sie überall mit hinein, das ist unser heimisches Powerfood!

Pesto: Zum Beispiel aus Kapuzinerkresse. Dazu einfach die Kresse im Mixer mit Olivenöl zerkleinern, etwas Salz dazugeben und Sonnenblumenkerne. Fertig ist der gesunde Brotaufstrich. Pesto ist auch lecker aus Brennnesseln oder Schnittsellerie oder Giersch.

Ihr habt bestimmt einen trockenen, dunklen, warmen Platz in der Wohnung. Da könnt Ihr Eure gesammelten Kräuter in Bündel zum Trocknen aufhängen. Bitte die Kräuter nie der Sonne aussetzen!

Besondere Würzkräuter wären dann noch Gewürztagetes, Zimtbasilikum (es gibt unendlich viele verschiedene Basilikumsorten), Rosengeranie oder Orangengeranie, Chilies in all ihren Farben und Formen, Doldenblütlersamen wie Wiesenbärenklau, wilde Möhre, Giersch oder wilde Pastinake (ein sicheres Bestimmen vorausgesetzt!)

Suppenwürze: Als Beispiel nehme man: 500 g Lauch, 500 g Zwiebeln, 500 g Tomaten (möglichst Fleischige), 300 g Petersilie oder Petersilienwurzel, 250 g Rüben, 200 g Sellerieblätter, 500 g Salz. Alles ziemlich gut zerkleinern, gut durchmischen, über Nacht durchziehen lassen und in saubere Gläser füllen. Hat man anderes Suppengemüse, dann einfach 1:5 abwiegen. Ein Teil Salz auf 5 Teile Gemüse. Durch das Salz ist es ohne Kühlung haltbar. Innerhalb eines Jahres verbrauchen.

Nutzt die Zeit und legt Euch einen Sommervorrat Kräuterdüfte für den Winter an.

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten/Selbstversorger-Akademie

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Klimaschutz, Ernährungsabsicherung, Lernort, zukunftsfähiger Lebensraum – der Waldgarten

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

Mein Buch könnt Ihr unter Publikationen bestellen, oder natürlich in jedem Buchhandel.

Es gibt viele Beweggründe ins Tun zu kommen. Manchmal ist es die eigene Gesundheit, manchmal die unserer Kinder. Oft ist es ein Blick auf die Gesellschaft oder es wird die Notwendigkeit gespürt, dass jeder Einzelne jetzt aufgefordert ist etwas zu Tun, weil wir nicht mehr warten können, bis andere es tun. Wenn ich zurückdenke, wie oft mir gefühlt die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde, Knüppel unter die Beine geworfen wurden, ich ausgeschlossen wurde von der Öffentlichkeitsarbeit und ja, auch diffamiert wurde, dann müsste ich schon lange das Handtuch geworfen haben mit meiner Arbeit. Aber nein, zu diesen Personen zähle ich nicht. Es wird weiter gemacht, weil es notwendig ist! Mein Waldgarten ist mittlerweile eine geniale Oase (diesen Blog führe ich nun bereits 13 Jahre und Ihr könnt gerne schauen, wie es 2009 begann), Lebensraum für viele Tiere, gelebter Klimaschutz und ja, vor allen Dingen auch Lernort. Dafür bin ich wirklich glücklich und dankbar, dass so viele Gruppen und Menschen generell mittlerweile Interesse daran haben, wie so ein permakultureller Waldgarten aussehen kann. Einen Waldgarten anlegen ist nicht wirklich schwer, ihn jedoch erhalten, erfordert wieder andere Kenntnisse. Deshalb bilde auch ich mich stets weiter.  Es ist also auch mein Lernort. Und vor allen Dingen ein zukunftsfähiger Lebensraum für meine Tiere, für meine Pflanzen und auch Aufenthaltsraum für mich und meine Gäste bzw. Kursteilnehmer.

Viele Kollegen habe ich mittlerweile, die die letzten Jahre Waldgärten angelegt haben und das ist auch gut so. Hier gibt es keine Ellenbogenmentalität, hier kann es nur ein Miteinander geben. Je mehr, desto besser! Und je mehr Wissen hier erworben und weitergereicht wird, um so bunter und vielfältiger, geschützter und resilienter wird unsere Welt in der wir leben.

Oberer Bereich des Waldgartens, Zone 4 – 5

Rein nach dem Motto „Fahre eine Ernte ein“, sind wir jetzt gerade am Werk die Beeren zu pflücken, und die gibt es jetzt im Juni reichlich. Erdbeeren, Johannisbeeren, Felsenbirnbeeren, Kirschen gibt es auch schon, Himbeeren, Walderdbeeren und bald auch noch die Josta und Stachelbeeren. Im Juli geht es dann weiter mit den Beeren, dazu kommen die ersten Äpfel, die Kirschpflaumen, die ersten Brombeeren. Eine unglaubliche Fülle und täglich wird gepflückt und verarbeitet. Zu Marmelade, Gelee, Saft, Mus, Likör, Fruchtleder oder es wird eingefroren für die Eisherstellung.

Zwischen den Beeren und Bäumen des Waldgartens wächst das Wildgemüse und das extensive Gemüse. Dazu gehören z. B.: Rhabarber, Baumspinat, Grünspargel, ewiger Kohl, Brennnesseln, Giersch, Wiesenbärenklau, wilde Pastinake, Meerrettich, Knoblauch, Winterheckezwiebel, Etagenzwiebel, unsäglich viele Kräuter, wilde und Kulturkräuter. Das extensive Gemüse setzt sich zusammen aus Kürbis, Trockenbohnen, Wildtomaten, Mais, Kartoffeln, Erbsen, Hirse… Und dann kommen natürlich noch die Blumen ins Spiel. Viele langblühende Stauden, mehrjährig und winterhart und natürlich auch noch die einjährigen, die zuverlässig jedes Jahr aussamen und wiederkommen. Dazu gehören Ringelblumen, Jungfer im Grünen, Borretsch, Malven in versch. Arten, Löwenmäulchen etc.

Ein Waldgarten muß gefühlt werden können (klimatisch), muß duften, muß sichtbar sein von weitem, er will gehört werden (zwitschern, summen, zirpen) und man muß ihn schmecken können. Einmal durch den Garten und satt sein, an Körper, Geist und Seele. Wenden wir den Blick nach oben sehen wir die Obstbäume, die Nußbäume, aber auch die Kulturbäume, die den Wind bremsen, die uns Laub liefern für unsere Beete, die Häckselmaterial für die Ställe der Tiere, für die Wege und Holz für die Verkohlung im Erdkontiki liefern. Die Stämme, der auf Stock gesetzten Kulturbäume werden für die Pilzzucht verwendet. So werden aus Kulturbäumen sofort wieder Nahrungslieferanten, auch sekundär durch die Düngung der anderen Pflanzen im Garten. Jede Pflanze ist wichtig und trägt ihren Beitrag für das große Gesamtkonzept, besonders die kleinen unscheinbaren, nicht beachteten, wie Löwenzahn und Vogelmiere, Ackergauchheil und Brennnessel und viele weitere.

Fahre eine Ernte ein

Wie sehr komme ich ins Schwärmen, wenn ich gedanklich in die Fülle meines Waldgartens eintauche. Es ist eine Leidenschaft für mich. Lange habe ich überlegt, wie ich neben meiner Arbeit als Referentin dieser Leidenschaft und notwendigen Arbeit im Waldgarten, der Pflanzenzucht, der Saatguterhalt, die Tierzucht etc. hinterherkomme und dabei natürlich die Zeit finde, Euch so gut es geht zu inspirieren. Rein nach der Permakulturethik Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen und teile gerecht. Ein System mußte her, das gegenseitige Unterstützung bringt. Deshalb darf ich Euch jetzt frohen Mutes verkünden, wir sind jetzt ein Verein! Ab Juli könnt Ihr Fördermitglieder werden des Mienbacher Waldgartens. Da wir ein Verein für Bildung und Forschung sind, wird natürlich alles dokumentiert. Ihr könnt dabei Teilhaben an unseren Anbauversuchen und als Mitglieder bekommt Ihr natürlich auch etwas zurück. Es wird monatlich ein Wissenspaket geben. Eine Art Mitgliederzeitschrift, vollgepackt mit permakulturellem Selbstversorgerwissen. Das gewonnene Saatgut aus dem Waldgarten gibt es in Zukunft auch nur noch für Fördermitglieder, dazu kann ich Euch aber auch einige meiner Produkte anbieten. Dazu wird es noch Listen geben. Für einen Teil des Mitgliederbeitrages habt Ihr diese Sachen natürlich dann frei. Alles über diesen Verein erfahrt Ihr auf der Hauptseite des Mienbacher Waldgartens, http://www.waldgarten.wordpress.com ab Juli.

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten/Selbstversorger-Akademie

Der Waldgarten ist Oase, Klimaretter, Lernort, zukunftfähiger Lebensraum, Ernährungssicherheit und noch vieles mehr. Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die die Wichtigkeit des Waldgartens erkennen und ins Tun kommen.
Unterer Bereich des Waldgartens, Zone 1
Veröffentlicht in Ernte und Haltbarmachen, Permakultur

Gärtnern mit der Natur

Keine Lust mehr auf konventionelles Gärtnern, weil die Schnecken den Salat und die Zucchini fressen, die Raupen den Kohl und die Drahtwürmer die Rüben? Dann wird es Zeit für mehr Natürlichkeit.

Der Garten ist total entgleist, alle Kräfte der Natur wenden sich gegen die Bemühungen des Menschen um zartes Gemüse. Und doch ist genug zu essen da. Wildkräuter als Salat- und  Spinatersatz, wildes Wurzelgemüse, sogar Süßkartoffeln.  Man sollte lernen, wie man mit der Natur wirtschaftet, dabei gesünder lebt, den Boden schont, Nützlingsecken im Garten anlegt und langsam auch wieder Freude am Kulturgemüse bekommt.

Lebendiger Mulch

Werden die Gemüsebeete nicht mehr gehackt, „verunkrauten“ sie. Aber „Unkräuter“ gibt es doch nicht mehr. Diese heißen jetzt „unerwünschte Beikräuter“. Doch genau diese unerwünschten Beikräuter bergen einen Schatz. Einen Schatz der wertvollsten Inhaltsstoffe für uns Menschen. Mineralien und Spurenelemente, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Um ein vielfaches mehr als unser Kulturgemüse. Und das, ohne den Boden auszulaugen, eher im Gegenteil. Von welchen Beikräutern wir hier reden? Von Vogelmiere, Ehrenpreis, Gundermann,  Löwenzahn, evtl. Brennnesseln und Giersch, Wegrauke und Klee.  Je nachdem, wie der Boden beschaffen ist. Diese Kräuter sind Anzeiger für die Bodenqualität, Retter und Beschatter für die Kleinstlebewesen im Boden, Futter für die Würmer und somit wieder Düngerproduzenten. Und wir entfernen diese wertvollen Kräuter und entsorgen sie,  im besten Falle noch, auf dem Kompost. Dabei ergeben diese Kräuter einen leckeren Salat oder gekocht auch Spinat. Dazu noch Borretsch und Kresse, Rucola und Spinat mit eingesät, ergibt dies ein kunterbuntes Salatbuffet!  Noch einige winterharte Kräuter, die bereits ab März beerntet werden können, wie Pimpinelle, Baldrian, Tripmadam, Schnittlauch, Winterheckezwiebel, Meerkohl, Schafgarbe, Spornblume, Orangenminze Salbei, Thymian und Löffelkraut. Salat der dauerhaft nachwächst! Viel zu viele kleine Blättchen? Größere Blätter bietet die Kulturmelde und der Mangold, beides Gemüse, die uninteressant sind für Schnecken oder andere Schädlinge. Ein weiterer Vorteil ist der kräftigere Geschmack. Ist man diesen erst gewohnt, wirkt jeder zarte Kultursalat nur noch langweilig und fahde.

Essbare Blüten

Dazu die vielen essbaren Blüten von Borretsch, Löwenzahn, Gänseblümchen, Taglilien, Kapuzinerkresse, Rucola, Ringelblume , Rose und Nelke, die nach Pilzen schmeckenden Knospen der Wegericharten und die süßen, nektargefüllten Taubnesselblüten. Ein wahrer Gaumen-, aber auch Augenschmaus!

Die Vogelmiere
Essbare Bestandteile: Das ganze Kraut
Verarbeitung: Das ganze Kraut roh im Salat
Die Vogelmiere wird auch Hühnerdarm genannt, da die inneren Kapillaren sich ziehen lassen wie Darmseiten und sich die äußere grüne „Haut“ des Stiels herunterschieben lässt. Das ganze Kraut ist sehr widerstandsfähig, sogar im Winter kann es unter dem Schnee  geerntet werden. Diese Widerstandsfähigkeiten verleiht sie aber auch demjenigen, der regelmäßig Vogelmiere zu sich nimmt. Eine Stärkung also für unser Immunsystem auf ganzer Linie.

Davon wird man aber nicht satt? Gut, dann ernten wir im zeitigen Frühjahr, sobald der Frost aus dem Boden entwichen ist, knackige Topinamburknollen. Als Rohkost mit Apfel und /oder Karotten, angemacht mit Kürbiskernöl und mildem Apfelessig….mmmmhhh.

Topinambur
Essbare Bestandteile:
Wurzelknollen und Blütenblätter
Verarbeitung: Die Knollen von Oktober bis April als Rohkost oder gekocht in Form von Suppen und /oder gedünstetes oder gebratenes Gemüse
Die Blütenblätter als essbare Blüten im SalatTopinambur enthält in seinen Inhaltsstoffen Inulin, eine Stärkeart, die besonders Diabetiker zu schätzen wissen, denn sie treibt den Blutzuckerspiegel nicht nach oben. Topinambur braucht nicht geerntet und eingelagert zu werden, sondern kann nach Bedarf geerntet werden. Die Knollen halten im Winterlager nicht sehr lange durch.

Etwas Warmes? Na gut, dann graben wir die Wurzeln von Haferwurz und Schwarzwurzel, wilder Pastinake, Nachtkerze und wilder Möhre aus. Oder  noch aromatischer, die Wurzeln des Myrrhenkerbels, auch Süßdolde genannt. Alles von Pflanzen, sind sie einmal im Garten etabliert, vermehren sie sich auch dort wieder und bieten somit Grundnahrung im März/April und Oktober/November/Dezember. Ist der Boden im Januar/Februar frostfrei, dann kann auch da geerntet werden. Sobald sich aber Blütenstiele aus der Blattrosette schieben, ist die Erntezeit vorbei. Die ganzen Wirkstoffe gehen in die Blüte und die Wurzeln werden holzig. Allerdings sind die Blüten von Nachtkerze und Süßdolde auch sehr schmackhaft und die Samenstände der Süßdolde, in noch grünem Zustand schmecken wie Lakritzbonbons. Die Wurzeln werden sauber geschrubbt, geschält und in kleinen Stücken gedünstet. Dazu eine Sauce Hollandaise oder Béarnaise, …ein Gedicht! Die Wurzeln von wilden Pastinaken und wilden Möhren sind jedoch oft schon, auch ohne Blütenstand, sehr hart und holzig, bilden  jedoch eine gute Suppengrundlage. Dazu noch Wassersellerieblätter, auch Sedanina genannt und kleingehackten Schnittlauch kurz vor dem Servieren darüber gestreut, ersetzt jede gekaufte Suppenwürze. Einfach nur noch Salz ins Kochwasser und entweder Linsen oder einfach Suppennudeln mitkochen lassen. Fertig ist die wärmende Frühlingsmahlzeit. Wer eher schattige Bereiche im Garten hat, kann leicht den Bärlauch ansiedeln. Auch der Beinwell und das Lungenkraut vertragen Schatten.  Dazu noch essbare Funkien und Apfelminze, fertig ist das essbare Schattenbeet rund um den Apfelbaum (Baumscheibenbepflanzung).

Auch der Sauerampfer bietet reichlich Grün für Suppen und Salate. Wegen der enthaltenen Oxalsäure sollte er aber nicht öfter, als 1 x die Woche oder immer in einer gesunden Kräutermischung genossen werden.

LöwenzahnEssbare Bestandteile: Blätter, Blüten, Knospen, WurzelnVerarbeitung:Wurzelstücke geröstet als KaffeeersatzBlätter im SalatKnospen als falsche KapernBlüten und Knospen im Salat oder gedünstet als GemüseDie ganze Pflanze ist leberwirksam und deshalb besonders für die Frühjahrskur geeignet. Soweit die klimatischen Bedingungen es zulassen, kann der Löwenzahn das ganze Jahr über geerntet werden.

Das Gleiche gilt für den Rhabarber. Wobei beim Rhabarber die Erntezeit sowieso nur bis Sonnwend begrenzt sein sollte. Auch die Meldearten enthalten diese Oxalsäure, weshalb von täglichem Blattverzehr oder

Wildspinat von Meldeblättern eher abzuraten ist. Da wir aber sowieso die Abwechslung lieben und im Sommer natürlich auch noch das Beerenobst unsere Speisekarte aus der Natur bereichert, überwiegen eher die Vorteile dieser natürlichen Ernährungsweise.

Das Gesamtbild des Gartens

Ja, und wie schaut denn dann der Garten aus? Einfach herrlich natürlich. Ein Lebensraum für viele Nützlinge und Wildtiere. Eine Oase in der Wüste der Thujenhecken und des englischen Rasens. Werden dann noch Nützlingsbiotope, wie Steinmauern oder -haufen, Totholzhaufen, kleine Teiche und Insektenhotels mit eingebaut, erhält der Garten Struktur und der ökologische Wert steigt um ein Vielfaches.

Die Teiche können auch gleich dazu benutzt werden Wildgemüse anzubauen, die es feucht mögen, wie die bereits erwähnte Sedanina, das Wiesenschaumkraut oder Wasserpflanzen wie die Entengrütze oder der Kalmus. Auch die Bachbunge ist essbar und die Wasserminze sehr aromatisch!

 Gärtnern mit der Natur heißt, die perfekte wilde, ursprüngliche Landschaft in unseren Garten zu bringen. Vielfältig, bunt und voller Leben.

Dieser Artikel stammt aus der Waldgartenzeitschrift 2014, die bereits vergriffen ist.

Rezepte für die wilde Gartenküche

Topinambur-Rohkost (pro Person): 100 g Topinamburkollen, 50 g frische Äpfel, 15 g Nüsse, etwas Zitronensaft, etwas Öl (Leinöl), geschlagene Sahne, Anis und Fenchel fein gemahlen, Schnittlauch, Petersilie oder Dill und Kerbel oder Salbei und Pimpernell fein gehackt, Salz.  Zubereitung: Topinambur in Wasser kräftig bürsten, ältere leicht abschaben oder schälen, in kleine Streifen schneiden oder raffeln. Zur besseren Bekömmlichkeit in leicht verdünntem Zitronensaft durchziehen lassen. Dann die Äpfel raffeln, untermischen, die zerkleinerten Nüsse und die übrigen Zutaten zufügen.

Russische Gemüsesuppe aus Wiesenklee und Sauerampfer (pro Person): 2 – 3 Kartoffeln, je 1 Handvoll Rotklee- und Sauerampferblätter, 1 mittlere Zwiebel, etwas Fett, ½ gekochtes Ei, saure Sahne, Salz, Pfeffer. Zubereitung: Kartoffeln schälen, in Stück schneiden, in kochendes Wasser geben und halb gar kochen. Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden und in etwas Fett goldgelb braten. Den gewaschenen Rotklee und Sauerampfer klein schneiden. Salz, Pfeffer, Zwiebeln und Grünes zu den Kartoffeln geben und weiterkochen, bis die Kartoffeln gar sind. Diese eventuell etwas zerstampfen. Mit saurer Sahne verfeinern und mit dem klein gehackten gekochten Ei garnieren.

Löwenzahnblütengemüse (für 2 Personen): 200 g Löwenzahnblütenknospen (junge und feste Blütenknospen, am besten, wenn sie noch im Blattrosettenboden stehen). 20 g Butter, Salz. Zubereitung: Die Blütenknospen waschen, abtropfen. Butter leicht bräunen, über die Knospen verteilen und mit Salz würzen.

Gedünstete Haferwurzen (geht auch mit Schwarzwurzeln und Nachtkerzenwurzeln): ca. 2 lange Wurzeln sauber schrubben, schälen (am besten mit Handschuhen, da die Schale orange abfärbt), in Stücke schneiden. In einer Pfanne oder Topf Butter oder Öl erwärmen, die Wurzelstücke dazugeben und ca. 15 Min. auf kleiner Temperatur dünsten, bis sie weich sind. Der Gabeltest zeigt uns dies an. Etwas Salz und Pfeffer zugeben. Beim Servieren mit Schnittlauch und/oder Frühlingskräutern garnieren.

Ich hoffe, der Artikel gefällt Euch, er ist jetzt vor 8 Jahren entstanden, aber das Thema veraltet ja nicht 😉

Mit permakulturellen Grüßen, Eure Hanne aus dem Mienbacher Waldgarten

Veröffentlicht in Permakultur

Autarkie, Netzwerke und paradiesisch leben

Hallo liebe Permagarten – Freunde,

ist komplette Selbstversorgung bei uns möglich? Das werde ich immer wieder gefragt. Ja, es wäre möglich, dann tun wir aber nichts anderes mehr. Ist es nicht schöner sich zu verbinden? Ein Netzwerk aufzubauen aus Menschen, die auch einen Teil der Selbstversorgung schaffen? Talente verknüpfen? Ich zum Beispiel kann zwar schlachten, aber keine Wurst herstellen. Ich kann Gemüse anbauen, aber Karotten werden mir nichts. Ich hab keine Ölmühle und keinen Mähdrescher. Brauch ich auch nicht, denn in meiner Nähe gibt es Landwirte, die das übernehmen können. Die darauf spezialisiert sind. Masanubo Fukuoka sagte damals, 4 Tage zu arbeiten müsse reichen, drei Tage braucht die Familie. Und er war dabei sehr erfolgreich! Naja, ich muß sagen, ich arbeite schon täglich. Aber bei freier Zeiteinteilung. Es ginge bestimmt besser im Management, doch ich werde es weiter wie bisher machen ;-).

Warum nicht für Hilfe sich mit Selbstgemachtem bedanken? Nichts ist so toll, als für eine Leistung als Dankeschön auch noch eine Kleinigkeit an Selbstgemachtem zu erhalten. Da weiß man, nein, da spürt man die Dankbarkeit. Gerade in unserer Schnelllebigen Zeit ist dies äußerst wertvoll!

Genießt Ihr auch die Maienzeit so wie ich? Vogelgezwitscher, Blütenduft, endlich wieder frostfreie Nächte! Jetzt beginnt das Leben draußen. Da ist man doch gleich wieder ein anderer Mensch, oder? Was kocht Ihr denn momentan? Bei uns gab es die letzten Tage sehr viel, wo wir Wildkräuter mit einbezogen haben. Polentapizza mit Giersch, Brennnesselspätzle, Spaghetti mit Gierschpesto, Spinat/Brennesselspinat mit Spiegelei usw. Dazu immer Frisches aus dem Folienhaus, dass bereits über den Winter gewachsen ist. Das Neue braucht noch etwas, bis auf die Radieschen, die sind jetzt echt schon wunderbar!

Ja, ich möchte Euch inspirieren zum Leben im Einklang mit der Natur. Mit niederem ökologischen Fußabdruck, mit gesundem Essen, mit Bewegung an der frischen Luft und evtl. auch Tierhaltung. Wir haben übrigens jetzt mittlerweile eine richtige kleine Ziegenherde. Und die Milch von 4 lieben Damen. Jetzt verarbeiten wir die gute Ziegenmilch zu Joghurt, Frischkäse, Paneer und Camembert. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie ich das genieße!

Ihr könnt uns jetzt übrigens wieder besuchen und auch wieder in den Hütten übernachten. Buchen könnt Ihr über Airbnb oder direkt über unsere Veranstaltungshomepage www.mienbacher-waldgarten.de. Dort findet Ihr auch unser Kursprogramm.

Und jetzt genießt einfach die Frühlingsbilder aus dem Mienbacher Waldgarten,

Eure Hanne

PS: zum Artikel in der Natürlich gärtnern & anders leben kommt Ihr auch hier: https://waldgarten.wordpress.com/seminarraum/in-den-medien/ Titel: In 20 Jahren vom Maisacker zum Waldgarten

Veröffentlicht in Ernte und Haltbarmachen, Permakultur

Die Notwendigkeit zu Handeln

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

wie jedes Jahr gibt es auch jetzt Anfang April noch einmal einen richtigen Kälteeinbruch mit Schnee. Es kann sogar noch bis in den Juni hinein kalt werden. Die Eisheiligen und die Schafskälte sorgen dafür. Das ist ganz normal, nichts Neues. Damit müssen wir rechnen. Wir sind so in unserem Sicherheitswahn gefangen, dass wir ganz vergessen, dass nichts, aber auch garnichts wirklich sicher ist. Ob es jetzt der Frost, die Schnecke, die Trockenheit ist. Damit mussten sich schon unsere Vorfahren abmühen. Wir dagegen haben die Möglichkeit einfach ein Gewächshaus, einen Folientunnel, ein Frühbeet aufzustellen, um geschützt heranziehen und anbauen zu können.

Wer die Zeichen der Zeit lesen kann, der ist jetzt fleißig bemüht sich Beete anzulegen, Bäume und Beeren zu pflanzen. Ein natürliches Wirtschaften setze ich mittlerweile voraus. Der Aufbau des Bodens muß unser Hauptaugenmerk sein.

Und natürlich hat nicht jeder die Fläche und die Zeit sich selbst zu versorgen im Anbau mit Obst und Gemüse. In jeder Region gibt es eine Direktvermarkterliste, mittlerweile in Zusammenschlüssen im Internet, aber nichts einheitliches, da müsst Ihr in den Suchmaschinen suchen. Baut Eure regionale und saisonale Ernährung dann einfach mit Hilfe der Bauern, Imker, solidarischen Landwirtschaften usw. auf. Zusätzlich kann die Natur mit ihren wilden Kräutern und wilden Obstarten eine sehr große Bereicherung sein. Ja, natürlich, auskennen sollte man sich da schon! Das erfordert einiges an Übung, aber auch hier gibt es mittlerweile in jeder Region genug Kräuterpädagogen, Waldpädagogen und sonstiges, die Wanderungen in der Natur anbieten und so kann man sich einarbeiten in ein Thema, das unsere Gesundheit immens bereichern kann. Auch ich biete im Laufe des Jahres in meinem Waldgarten Kräuterspaziergänge an. Da jede Zeit ihre besonderen Qualitäten bietet, im Lauf der Saison verteilt.

Ich weiß, ich hab das schon öfter geschrieben, aber ich empfinde es einfach als wichtig, wieder mehr Eigenverantwortung zu entwickeln. Selbst denken ist angesagt, oft haben wir dies bereits verlernt in diesem Wulst an Corona-Regeln und Negativmeldungen in den Nachrichten. Ist es nicht viel erquickender die Medien still schweigen zu lassen und lieber draußen dem Frühlingsgesang der Vögel zu lauschen?

Es gibt jetzt schon eine Riesenfülle, die man essen kann:

Vogelmiere, Taubnessel, Giersch, wilder Schnittlauch, Topinamburknollen, Nachtkerzenwurzeln, Gemüseampfer, Winterheckezwiebel, Mutterkrautblätter, Baldrianblätter, Löwenzahnblätter und -blüten, Brennnesselblätter u. v. m.

Ich selber bin Tierhalter, die Hühner, Enten und Gänse liefern mir momentan sehr viele Eier, in der Vorratskammer sind noch Trockenbohnen, Linsen, Kartoffeln, geschliffenes Getreide, jede Menge eingemachtes Obst, fermentiertes Gemüse, Essiggurken, Rote Bete, usw. Gedörrtes und Tees in Gläser, alles steht noch voll. Nur bedingt gibt es Lücken, da ich immer sofort wieder nachfülle, wenn irgendetwas hereingeschneit kommt an Essbarem. Ich selbst kann nicht anders, nur eine volle Vorratskammer gibt mir Sicherheit und Zufriedenheit. Vielleicht sitzt das auch nur bei mir so fest verankert? Schreibt mir doch bitte Eure Meinung dazu unten in die Kommentare, bestimmt ist das auch für andere sehr interessant. Von Direktvermarkter-Gärtnerkollegen erfahre ich nämlich immer mal wieder, dass es Leute gibt, die mit ihren Rezepten einkaufen gehen und dann genau 200 gr. Möhren und 100 gr. Nudeln kaufen (willkürliches Beispiel), damit ja nichts übrig bleibt und zu Hause rumstehen könnte. Diese Logik erschließt sich mir nicht. Wahrscheinlich hab ich deswegen im Gegensatz zu diesen Menschen so einen chaotischen Haushalt? Hungern muß bei mir jedenfalls keiner (sofern alles gegessen wird, was bei mir auf den Tisch kommt ;-))

Mein Ratschlag des Frühlings: Holt Euch so viel wie möglich aus der Natur an wilden Kräutern, nichts kann Euch sonst so einen Energiekick geben und Euer Immunsystem stärken.

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten

Selbstversorgung sollte zumindest zu einem kleinen Teil wieder ein Teil unserer Lebensart- und weise werden. Es wird wieder zur Notwendigkeit werden. Ich habe noch viel von daheim lernen können und gebe dieses Wissen sehr gerne an Euch weiter! Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten
Die Hühner liefern Eier, die Ziegen Milch und einen geschlossenen Kreislauf und Landschaftspflege. Außerdem Gesellschaft.

PS: Mein Kursprogramm findet Ihr auf www.mienbacher-waldgarten.de und meine Bücher und Publikationen oben im Reiter 😉

Veröffentlicht in Permakultur

Obstbäume in der Permakultur

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

Juni im Waldgarten, Vielfalt auf verschiedenen Stockwerken

warum ich separat nochmal einen Artikel über Obstbäume liefere? Weil es oft Missverständnisse gibt, was Obstbau in der Permakultur anbelangt. Auch ich selbst brauchte da einige Zeit, das gebe ich offen zu. Spätestens als ich die ersten Obstbäume verloren habe, begann mir in dieser Hinsicht ein Licht aufzugehen. Das ist jetzt aber auch schon ungefähr 9 Jahre her. Um noch mehr darüber zu erfahren, mach ich jetzt auch nochmal extra eine Ausbildung zum Baumwart. Weil es so wichtig ist, dieses Wissen zu erhalten, wenn alle älteren Herren, die das noch perfekt drauf hatten, nicht mehr sind. Das sich auch immer mehr junge Leute dafür interessieren, merke ich auch im Kurs selbst, die Notwendigkeit wird erkannt!

Geschnitten wird jetzt im März, oder im Sommer. Je nachdem, ob man den Baum beruhigen möchte, oder anregen. Leider sieht man allzu oft, dass Bäume richtig masskriert werden. Jegliches Fruchtholz wird weggeschnitten. Das Problem liegt aber darin, dass ein Obstbaum darauf ausgerichtet ist Früchte zu liefern. Nimmt man ihm alles weg, kann der Schuß auch nach hinten los gehen, der Baum kommt in Vollstreß und treibt nur noch sogenannte Wasserschosser, die Optik wird zum Besen. Man verursacht hierbei nur Arbeit. Ein Baum, der allerdings überhaupt nicht gepflegt wird, bringt minderwertiges Obst, spricht zu viel und zu kleine Früchte oder bricht im schlimmsten Falle auseinander. Es ist wichtig den optimalen Mittelweg zu finden, zwischen leicht anregen, aber nicht provozieren, um qualitativ gutes, lagerfähiges, schmackhaftes Obst zu bekommen.

Freistehendes Weinstockspalier kann im Hausgarten auch als Raumteiler oder Blickschutz für die Terrasse verwendet werden.

Die Geschichte der Selektion von größerem, schönerem, schmackhafterem Obst ist bereits mind. 8000 Jahre alt. Die Sorten, die wir heute als altbewährt benennen, haben meist ihren Ursprung im 19. bis Anfang 20. Jahrhundert. Dazugekomme sind die letzten Jahrzehnte die Bäume für kleine Gärten bzw. Balkon. Es werden Sorten, bzw. neue Sorten auf kleinwüchsige Unterlagen veredelt. So gibt es jetzt neben Spalierobst auch Buschobst, Zwergobst, Spindelobst. So kann auch in kleine Gärten eine geniale Sortenvielfalt gebracht werden. Aber, man muß wissen, wie gepflegt wird, sonst hat man nicht lange Freude daran! Während ein Hochstamm, ja auch ein Halbstamm schon mal locker über 100 Jahre alt werden kann, hat Zwergobst eine nicht ganz so lange Lebenszeit. Doch dieses Zwergobst passt auch wunderbar in den Gemüsegarten als leichter Schattenspender und Mikroklima-Regulierer.

Was ist jetzt anders in der Permakultur?

Also ich würde sagen, die Kombination mit anderen Pflanzen, das Bilden von Obstbaumlebensgemeinschaften (dieses Wort stammt aus dem Buch: Gärtnern im Biotop mit Mensch, vom Ehepaar Kleber, erschienen im OLV Verlag). Es werden sogenannte Gilden aufgebaut, die den Baum gesund erhalten. Zum einen im Wurzelbereich, zum anderen im vergrämen von Schädlingen. Innerhalb des Umkreises des Obstbaumes können bis zu 7 Stockwerke aufgebaut werden, wie im Waldgartensystem. 1. Pflahlwurzler, 2. Bodendecker, 3. Kräuter, 4. Beerensträucher, 5. Wildobst, 6. Obstbaum, 7. vertikaler Bereich. Wichtig ist, dass der Wurzelbereich nicht laufend betreten wird und kein Gras als Hauptkultur wachsen kann. So entstehen kleine, produktive Inseln, die sich selbst helfen können. Doch das Schneiden bleibt nicht aus.

Es gibt tatsächlich ursprüngliche Sorten, die sogenannten Wurzelechten, die brauchen nicht geschnitten zu werden, wie z. B. auch Wildäpfel oder Wildbirnen. Doch können wir von diesen auch keine Früchte in Supermarktqualität verlangen. Was unsere Permakulturfrüchte allerdings können, sind die gesunden Inhaltstoffe. Diese Äpfel mußten sich selbst wehren, gegen Schadinsekten, alle Witterungseinflüsse und Krankheiten. Diese Früchte haben die Möglichkeit Stoffe zu produzieren. Abwehrstoffe, die sie auch an uns weitergeben können. Das kann ein „Pink Lady“ Apfel aus dem Supermarkt, der vielleicht aus Argentinien kommt, nicht. Generell gibt es genug Obtsbauern, es bedarf keinerlei Einfuhr. Kommt ins Tun und bleibt dadurch gesund!

Wenn Ihr dazu Hilfe braucht, eine Beratung, per Telefon, Zoom oder ähnliches, der kann sich gerne bei mir melden. Unter https://waldgarten.wordpress.com/angebote-u-consulting/ erfahrt Ihr mehr.

Wollt Ihr einen ordentlichen Obstgarten anlegen? Dann plant gut, überlegt Euch genau, welche Sorten Ihr haben wollt, lasst Euch in einer guten Baumschule beraten und pflanzt auf jeden Fall im Herbst! Macht bei Eurem regionalen Gartenbauverein einen Obstbaumschnittkurs, sollte dort keiner stattfinden, wendet Euch an den Kreisfachberater im Landratsamt. Oder an die Baumwarte, die auch regionale Listen führen, wer in der Region fachgerecht schneiden kann. Damit Ihr gutes Obst ernten könnt, dass auch gut lagerfähig und gesund ist.

Bücher, die Euch weiterhelfen können!

Wünsche Euch einen herrlichen Obstgarten,

mit permakulturellen Grüßen,

Hanne

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Harze, wertvoller Stoff für die Hausapotheke

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

gerne möchte ich Euch heute ein paar Rezepte liefern. Nein, sie stammen nicht von mir, wurden gesammelt von Mag. Alois Krautgartner, Heilpraktiker aus Freilassing, der sie mir großzügigerweise zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Heimischer Forst, Wirtschaftswald, Monokultur

Der Wald bietet uns so viel, wir brauchen uns nur zu bedienen. Die Harzbrocken an den Bäumen schenkt er uns sehr gerne. Nur verletzen sollten wir die Bäume dabei nicht. Der Artikel hier erschien bereits in der Waldgartenzeitschrift 2015, die mittlerweile auch vergriffen ist.

Nadelbäume und ihr wertvolles Blut – wie Harze uns helfen gesund zu bleiben

Nadelbäume haben in einem Selbstversorgergarten nichts zu suchen! Das war und ist gängige Meinung. Zugegeben, die Modeerscheinung in den 70er und 80er Jahren Blaufichten, serbische Fichten und dergleichen in kleine Siedlungsgärten zu pflanzen, nur weil sie immergrün sind und keine Arbeit machen, hat schon etwas geprägt. Heute stehen da nämlich riesige Bäume, die enormen Schattenwurf haben, unnötig Platz wegnehmen und meist sogar zur Gefahr für Bauwerke werden, denn als Flachwurzler können sie bei starken Stürmen schon mal entwurzeln und umkippen. Deshalb: diese imposanten Bäume haben in Hausgärten definitiv nichts zu suchen! Doch gehen wir raus in die Natur, in den nächsten Wald, kann Fichtenharz, Tannenharz, Kiefernharz, manchmal sogar Lärchenharz in rauen Mengen gesammelt werden. Meist werden die Bäume durch Waldarbeiten verletzt, wenn bei Stürmen Bäume umfallen und danach aus dem Wald gezogen werden, bei Fällarbeiten usw.

Deshalb finden wir besonders den Waldwegen entlang viel beharzte Bäume. Man muss nur einen Blick dafür entwickeln.

In der Schulmedizin finden Harze kaum Anwendung, lediglich das Lärchenterpentin (Terpentin wird das noch flüssige Harz genannt) innerhalb von Salben gegen Furunkeln, Nervenschmerzen, Bronchitis und dergleichen. Die Harze von Nadelbäumen werden mit ihren Wirkstoffen sozusagen alle in einen Topf geworfen, mit Ausnahme des Lärchenharzes. Als Tinktur angesetzt zeigt es sehr entgiftende Eigenschaften auf den Körper und soll sogar Schwermetalle aus dem Körper ausleiten können.  Selbst neuralgische Schmerzen soll eine Lärchenharzsalbe lindern können. Besonders schmerzhaft sind neuralgische Schmerzen im Gesicht und ein Arbeiten mit Cayenne-Pfeffersalbe (wie bei Ischiasschmerzen) oder starke ätherische Ölaufträge mit Pfefferminze und Kiefernadelölen sind neben den Augen auch nicht gerade angenehm. Das Lärchenharz wird beschrieben als antiseptisch, gewebeschleimlösend und schleimlösend, weshalb es auch sehr gut zu Einreibungen bei grippalen Infekten und Bronchitis verwendet werden kann.

Eine schleimlösende Wirkung ist jedoch den anderen Nadelbaumharzen auch nicht abzusprechen.

Ihre Einsatzgebiete liegen hauptsächlich in der Volksmedizin. Jegliches Fichtenharz, Tannenharz, Kiefernharz, auch das Harz der Zirbe, das aber hauptsächlich nur im Alpenraum auf Höhenlagen vorkommen wird, kann dabei verwendet werden. Es wird sowohl bei Mensch, als auch bei Tier eingesetzt. Bekannt dafür, dass es Entzündungen aus dem Körper zieht und Wunden schneller heilen lässt, sollte es zukünftig in keiner Hausapotheke mehr fehlen!!!

Traditionelle Salbenrezepte werden mit Schweinefett als Hauptzutat angegeben. Warum? 1. War es am leichtesten verfügbar und 2. waren Pflanzenöle früher eher rar und 3. ist das Schweinefett dem menschlichen sehr ähnlich und wird dadurch von unserer Haut sehr gut aufgenommen, es hat also zusätzliche pflegende Eigenschaften. Viele pflanzliche Öle bleiben eher auf der Hautoberfläche und ziehen nur schlecht ein.

Aus eigener Erfahrung kann ich hierzu noch einiges anfügen. Die Salben sind mit Oliven- und/oder Sonnenblumenöl genauso wirksam. Entsprechende Kräuterbeifügungen verändern die Wirkung gering, sind jedoch immer zum Vorteil.

Selbst habe ich die Erfahrung machen dürfen, das entzündete Pickel und Mitesser nach auftragen der Salbe innerhalb einer Stunde reifen, ausgedrückt werden können und somit schnell abheilen. Ein Prozess, der sonst Tage, leichte Schmerzen und Unwohlsein  in Anspruch genommen hat, wird innerhalb weniger Stunden erledigt. Solcherlei Salben können jederzeit auf offene Wunden aufgetragen werden. Die antiseptische Wirkung der Harze hält die Wunde rein, trocken und fördert ein enorm schnelles Abheilen. Sehr förderlich ist dies auch bei den neurodermitischen Ausschlägen meines Sohnes. Kein Nässen mehr, kein jucken mehr, und sehr schnell wieder saubere rosige Haut.

Persönlich sammle ich hauptsächlich das harte, trockene Harz an den Bäumen. Sofern man allerdings eine frische „Pechquelle“ aufgetan hat, kann auch das mit einem Holzspatel abgeschabt und in ein Glasgefäß gegeben werden. Fest verschlossen bleibt dieses Pech flüssig und kann durch Erwärmen, z. B: im Wasserbad noch mehr verflüssigt werden.

Feste Harze sollten in einem Mörser verpulvert und können dann in Öl oder Fett erwärmt werden, damit die Wirkstoffe sich verflüssigen und in des Öl bzw. Fett übergehen. Frische oder getrocknete Kräuter können  diesem Vorgang bereits beigegeben werden. Nach Abfiltern des Ganzen wird die Salbe mit Bienenwachs eingedickt.

Gabriela Nedoma beschreibt in ihrem Buch: Grüne Kosmetik, Bio-Pflege aus Küche und Garten (erschienen im Freya Verlag und über www.waldgartenprodukte.de zu beziehen) eine Harzsalbe mit frischem Basilikum, die als Königssalbe betitelt wird, Zugsalbe bei Entzündungen der Haut. Dies kann ich nur extrem bestätigen!

Hier das Rezept:

5 El frisches Basilikum, zerkleinert,150 ml Olivenöl, 5 g Fichtenharz  (im Mörser zerkleinert), 5 g Bienenwachs

Das Öl in einem Topf erwärmen, Basilikum fein hineinschneiden. Das Harz im Mörser pulverisieren und dem Öl zugeben. Ca. ½ Std. unter der Siedetemperatur ziehen lassen, danach in der Resthitze nochmals ½ Stunde nachziehen und erkalten lassen. Das Öl durch ein Feinsieb abseihen und erneut in den Topf füllen. Wachs zugeben und so lange erwärmen, bis es vollständig schmilzt. Die fertige Salbe in einen Tigel füllen.

Folgendes Wissen hat Heilpraktiker Mag. Alois Krautgartner aus Freilassing auf seiner Homepage (www.heilpraktiker-bgl.de) niedergeschrieben:

Ein weiterer Volksglaube, dem aber absolut Glaube geschenkt werden darf, besagt, dass die sogenannten Pechsalben nicht wirken wenn sie verkauft werden. Sie wirken erst, wenn sie einem geschenkt werden!

Im österreichischen Mühlviertel , bei den früheren Wehrbauern, waren drei Dinge von besonderer Wichtigkeit:

1. Eine Quelle,

 2. Ein fruchtbares Land und

3. Pechöl oder „Heilsam“ gegen allerlei Leiden

Auf einem flachen, leicht geneigten Granitstein wird harzreiches Föhrenholz pyramidenförmig geschichtet. Die Ummantelung besteht aus Fichtenästen und Rasenstücken. mittels Trockendestillation wird das Harz als Pechöl ausgeschwitzt. Dieses hat eine dunkelbraune bis schwärzliche Farbe und fand vielseitige Verwendung in der Human- und Tiermedizin.

Rund 80 Pechölsteine gibt es im unteren Mühlviertel. Davon sind nur noch die wenigsten in Gebrauch. Die wenigen, die in Gebrauch sind, dienen in der Regel musealen und touristischen Zwecken.

Brauchtum, Geomantie (die Lage auf positiven Erdenergie-Globalgitternetz-Kreuzungen bedingt eine optimale Verglosung (=verglimmen, verglühen)) und Volksmedizin vereinen sich beim Pechöl zu einem heilsamen Naturprodukt.

Rezept: „Pechsalbe“

Gleiche Teile von Schweinefett, Pech, Johanniskrautöl, Bienenhonig und Bienenwachs. Schweinefett mit Baumpech auskochen und abseihen; Bienenwachs zugeben und während des Abkühlens Honig und Olivenöl einrühren – sehr gute Wund- und Heilsalbe.

Unverkäuflich wird die Salbe durch das Einarbeiten von Mühlviertler Pechöl. Bauern verlangen nach der Salbe, wenn das Vieh Geschwüre und Hufverletzungen hat. Sie selbst gebrauchen es für die Wund- und Hautheilung und zur Eröffnung von Eitergeschwulsten, bei Abszessen und Furunkel. Harze sind destillierte Lichtwirkstoffe mit stark antiseptischer Wirkung.

Aus Wien zurück geht es wieder in die heimischen Wälder, um aus der Apotheke der Natur Koniferenharze aus Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche und selbst Zirbe zu sammeln. Jede Baumart (sogar jeder Baum) hat natürlich ihr/(sein) eigenes Harzprofil, und doch zielt die Wirkung immer in eine bestimmte Richtung.

Seit Urzeiten stellen die Heilkundigen der verschiedenen Regionen folgende Grundrezeptur durch gelinde Kochung her. Oftmals geschieht es, dass die Fettschmelze tagelang am Rand des Ofens mit jeder neuen Anfeuerung wieder erwärmt und weiter „gekocht“ wird. Zeit wir somit zu einer bedeutenden Ingredienz bei der Herstellung von Lebens- und Heilmitteln.

Rezept: „Boandlrichterschmier“

2 Teile Baumharz, 1 Teil Fett, 1 Teil Bienenwachs.

In der Alchemie unterstehen Fette, Wachs, Honig und Harze dem Element Feuer mit einer kontrollierenden Wirkung auf das Element Luft. Das Element Luft selbst regiert die Lunge, Haut, Gelenke und Bewegungsapparat. Gebrauchswissen und traditionelle Nutzung haben in vielen natürlichen Dingen eine Übereinstimmung mit überzeitlichem alchemistischen Wissen.

Es gibt sie tatsächlich noch, die so genannten Knochenrichter, welcher allesamt eine Schmier mit Harz, Fett und Wachs nach gelungener Reposition* anwenden. Die wenigsten wollen genannt werden, alle arbeiten mit ähnlichen Werkzeugen: mit viel Gespür, mit Appellen an die Selbstheilungskräfte, mit den Tränen der Bäume…

Selbstverständlich variieren die Mischungsverhältnisse und auch Kräuterzusätze sind üblich. Im Raum Golling/Abtenau am Tennengebirge teilte mir eine alte Bäuerin die Zubereitung folgender Haussalbe mit.

Rezept: „Haussalbe“

Spitzwegerich, Breitwegerich, Kamille, Thymian, Ringelblume, Hauswurz, Arnika, Frauenmantel, Käsepappel; Lärchen, -Fichten- und Tannenpech in Fett anbraten – Bienenwachs dazugeben, noch flüssig durchseihen und erkalten lassen.

Diese Salbe hat sich besonders bei allerlei Wunden, Geschwüren und Hautverletzungen bewährt. Selbst alte Sehnen- und Bänderzerrungen reagieren auf wiederholte Anwendungen mit Schmerzreduktion und mehr Bewegungsspielraum. Die Alten empfehlen zu diesem Behufe die vorherige Einreibung mit Vorlauf * und eine anschließende Wärmepackung. Oft konnte ich in meiner naturheilkundlichen Praxis miterleben, wie diese altbewährten und selbst zubereiteten Salben alte Schäden am Gelenk- und Bewegungsapparat dauerhaft linderten oder oftmals auch beseitigten.

Salbenzubereitungen auf dem Holzofen oder am Lagerfeuer erhöhen die Qualität jeder Salbe.

Wir brauchen wieder den Mut zur Selbstherstellung, den Mut zu eigenen Erfahrungen und eine brauchbare Kultur der Selbstversorgung. Das Salbenzubereiten schafft solche heilsamen Erfahrungsräume. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Hausverstand.

Nicht umsonst stehen Spitz- und Breitwegerich an erster Stelle. Genauso zahlreich wie ihr Vorkommen sind die heilsamen Botschaften dieser beiden Wundkräuter. Wie mit Goldfäden durchweben sie den Wundraum und sorgen dafür, dass kein faules Fleisch entsteht. Ihre antibiotischen , besser müsste man sagen, ihre probiotischen Wirkstoffe (u.a. Aucubin, ein Iridoidglykosid)) sind tatsächlich auch pharmakologisch entschlüsselt, wobei jahrhunderte lange Erfahrungen in der Naturheilkunde nicht unbedingt einer so genannten wissenschaftlichen Absegnung bedürfen. Eine Bestätigung ist durchaus erwünscht.

Auf jeden Fall erfüllt Harz im Verbund mit Wundkräutern wie Spitz- und Breitwegerich mehrer „volksmedizinische Kriterien“:

  1. hoher Bekanntheitsgrad
  2. häufiges Vorkommen
  3. flächendeckende Verfügbarkeit
  4. tradiertes Gebrauchswissen
  5. therapeutisches Erfahrungsgut
  6. überprüfte und überprüfbare Wirkungen bei Anwendung
  7. sehr geringe Kosten…

Wird oben genannte Salbe sehr warm auf die Haut aufgetragen, beziehungsweise vor Anwendung nochmals erwärmt, haben wir ein wirksames Zugpflaster bei eitrigen Affektionen. So jedenfalls gebrauchten es die Alten.

Zusammen mit meinem Freund Bernhard Kern – Heilpraktiker und Landschaftsgärtner – entstand 2002 gemäß alten Wissens, dass Harz die Körper nicht faulen lässt, ein Wundbalsam für unsere Freunde – die Bäume. Auf diesem Weg statten wir etwas zurück, was wir vorher reichlich erhalten haben.

Rezept: „Veredelungswachs für Gärtner“

2 Teile Schweineschmalz, 4 Teile Olivenöl, 6 Teile Fichtenharz, 3 Teile Bienenwachs, 1 Schuss Vorlauf*

…gemeinsam erwärmen, gut verrühren und in ein Vorratsglas füllen. Das Wachs ist wegen der konservierenden Wirkung des Harzes jahrelang lagerfähig. Es sollte an trockenen Tagen körperwarm mit einem Holzspatel aufgetragen werden – zum Verschließen von Sägewunden und Veredelungsstellen bei Gehölzen.

Herr Kern nennt einige Vorteile gegenüber handelsüblichen Präparaten:

Hohe Plastizität über lange Zeit, die auch bei starken Frösten nicht vollständig verloren geht. Dies verhindert später auftretende Risse am Wundverschluss und die Bildung von Spalten am Rand von Veredelungsstellen. So werden das Eindringen von Regenwasser und eine folgende Verpilzung vermieden.

Hohe Haftkraft auch auf feuchten Wunden, wie z.B. beim Schnitt des Walnussbaumes

Nicht wasserlöslich, wird auch frisch nach der Verarbeitung nicht vom Regen abgewaschen

Vollständig biologisch abbaubar

Ungiftig für Mensch, Tier und Pflanze

(Selbst)Herstellungskosten relativ gering

Dieses Veredelungswachs ist im regen Einsatz bei Landschafts- und Hobbygärtnern.

Die Tränen der Bäume heilen die Wunden der Bäume.

Vor einigen Jahren trat ein Freund aus dem Lungau mit der Bitte an mich heran, ob ich nicht eine Arznei für seinen Vater hätte, der seit mehreren Jahrzehnten an chronischen Husten laborierte. Ich erinnerte mich an die Bartflechte (Usnea barbata), die in den Gegenden, wo sie vorkommt, vereinzelt noch als erkräftigendes Mittel zur Stärkung der Lungen und Bronchien Verwendung findet. Selbst die moderne Phythopharmakologie bestätigt auf Grund von antibiotisch wirksamen Flechtensäuren eine positive Wirkung bei infektiösen Lungenkleiden, Erkältungen und Bronchitis.

In der Naturheilkunde kommt die Bartflechte auch bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren zur Anwendung. Eine einmonatige Einnahme von bis zu 50 Tropfen einer Tinktur (Ansatz von Bartflechte in Kornbranntwein) schaffte dauerhafte Abhilfe für den Vater meines Freundes aus dem Lungau.

Angeregt durch diese Erfahrung kreierte ich eine lungenstärkende Brustsalbe, die sich bei vielen Krankheitsfällen immer wieder bestens bewährt hat.

Rezept: „Lungauer Brustsalbe“

1 Teil gereinigtes Harz von Fichte, Lärche oder Kiefer und

5 Teile Ölmazerat (Knospen der Lungauer Balsampappel werden in Olivenöl mehrere Wochen mazeriert)

Die Zutaten werden gemeinsam im Wasserbad erwärmt und zum Schmelzen gebracht. Durch den Zusatz von Bartflechte in die Fettschmelze kommt es zu einer optimalen Verbindung von Harz und Öl. Außerdem kommt es zu einem Synergismus von heilenden Effekten auf das Lungen- und Bronchialsystem. Nachdem die Mischung abgesiebt wurde, wird sie mit Bienenwachs zu einer pastigen Salbe eingedickt.

Jede der genannten Salben kann korrigiert werden. Ist die Salbe zu flüssig, wird sie nochmals erwärmt und mit Bienenwachs gefestigt, ist die Salbe zu fest, wird sie unter nochmaliger Erwärmung unter Beigabe von Öl oder Fett verflüssigt. Wir haben bei diesen einfachen, aber sehr wirkungsvollen Salben, die Möglichkeit der Korrektion, das heißt, sie gelingen auf jeden Fall.

Interessant ist es, an dieser Stelle zu vermerken, dass die naturgemäße Heilkunde vom Volk aufrecht erhalten wird und keineswegs von den Fachleuten der Heilkunde, den Ärzten und Apothekern. Paracelsus, der vieles von den Bauern gelernt hat, wusste und schätzte, „dass der Arzt nicht alles, was er können und wissen soll, auf den hohen Schulen lernt und erfährt, sondern er muss auch zeitweise zu den alten Weibern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und dergleichen in die Schule gehen und von ihnen lernen.“

So wollen wir es halten. Traditionelle Heilkunde und Erfahrungswissen sind eine lebendige Wissenschaft, die durch Gebrauch und Anwendung am Leben erhalten werden muss – Von den Tränen der Bäume zum Wohle der Menschen.

Verfasser: Mag. Krautgartner Alois, Hauptstrasse 41, 83395 Freilassing, Heilpraktiker und Naturphilosoph

  • Reposition oder reponieren (von lateinisch reponere ‚zurücklegen‘) steht für das Zurückbringen von Gelenken, Knochen oder Organen in eine (annähernde) Normallage oder Normalstellung
  • Als Vorlauf bezeichnet man bei der Destillation von Spirituosen das zu Beginn entstehende Destillat. Es enthält besonders viel giftiges Methanol und andere leichtflüchtige Substanzen wie Ethylacetat und ist für den menschlichen Genuss nicht geeignet.
Balsampappel

Naturheilpraxis Freilassing

– Seminare auf Anfrage: Natur-Philosophie und Naturheilkunde
„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Hausverstand“

Hoffe, Ihr findet den Artikel genauso interessant und wichtig wie ich ;-).

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten