Veröffentlicht in Permakultur

Klimaschutz, Ernährungsabsicherung, Lernort, zukunftsfähiger Lebensraum – der Waldgarten

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

Mein Buch könnt Ihr unter Publikationen bestellen, oder natürlich in jedem Buchhandel.

Es gibt viele Beweggründe ins Tun zu kommen. Manchmal ist es die eigene Gesundheit, manchmal die unserer Kinder. Oft ist es ein Blick auf die Gesellschaft oder es wird die Notwendigkeit gespürt, dass jeder Einzelne jetzt aufgefordert ist etwas zu Tun, weil wir nicht mehr warten können, bis andere es tun. Wenn ich zurückdenke, wie oft mir gefühlt die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde, Knüppel unter die Beine geworfen wurden, ich ausgeschlossen wurde von der Öffentlichkeitsarbeit und ja, auch diffamiert wurde, dann müsste ich schon lange das Handtuch geworfen haben mit meiner Arbeit. Aber nein, zu diesen Personen zähle ich nicht. Es wird weiter gemacht, weil es notwendig ist! Mein Waldgarten ist mittlerweile eine geniale Oase (diesen Blog führe ich nun bereits 13 Jahre und Ihr könnt gerne schauen, wie es 2009 begann), Lebensraum für viele Tiere, gelebter Klimaschutz und ja, vor allen Dingen auch Lernort. Dafür bin ich wirklich glücklich und dankbar, dass so viele Gruppen und Menschen generell mittlerweile Interesse daran haben, wie so ein permakultureller Waldgarten aussehen kann. Einen Waldgarten anlegen ist nicht wirklich schwer, ihn jedoch erhalten, erfordert wieder andere Kenntnisse. Deshalb bilde auch ich mich stets weiter.  Es ist also auch mein Lernort. Und vor allen Dingen ein zukunftsfähiger Lebensraum für meine Tiere, für meine Pflanzen und auch Aufenthaltsraum für mich und meine Gäste bzw. Kursteilnehmer.

Viele Kollegen habe ich mittlerweile, die die letzten Jahre Waldgärten angelegt haben und das ist auch gut so. Hier gibt es keine Ellenbogenmentalität, hier kann es nur ein Miteinander geben. Je mehr, desto besser! Und je mehr Wissen hier erworben und weitergereicht wird, um so bunter und vielfältiger, geschützter und resilienter wird unsere Welt in der wir leben.

Oberer Bereich des Waldgartens, Zone 4 – 5

Rein nach dem Motto „Fahre eine Ernte ein“, sind wir jetzt gerade am Werk die Beeren zu pflücken, und die gibt es jetzt im Juni reichlich. Erdbeeren, Johannisbeeren, Felsenbirnbeeren, Kirschen gibt es auch schon, Himbeeren, Walderdbeeren und bald auch noch die Josta und Stachelbeeren. Im Juli geht es dann weiter mit den Beeren, dazu kommen die ersten Äpfel, die Kirschpflaumen, die ersten Brombeeren. Eine unglaubliche Fülle und täglich wird gepflückt und verarbeitet. Zu Marmelade, Gelee, Saft, Mus, Likör, Fruchtleder oder es wird eingefroren für die Eisherstellung.

Zwischen den Beeren und Bäumen des Waldgartens wächst das Wildgemüse und das extensive Gemüse. Dazu gehören z. B.: Rhabarber, Baumspinat, Grünspargel, ewiger Kohl, Brennnesseln, Giersch, Wiesenbärenklau, wilde Pastinake, Meerrettich, Knoblauch, Winterheckezwiebel, Etagenzwiebel, unsäglich viele Kräuter, wilde und Kulturkräuter. Das extensive Gemüse setzt sich zusammen aus Kürbis, Trockenbohnen, Wildtomaten, Mais, Kartoffeln, Erbsen, Hirse… Und dann kommen natürlich noch die Blumen ins Spiel. Viele langblühende Stauden, mehrjährig und winterhart und natürlich auch noch die einjährigen, die zuverlässig jedes Jahr aussamen und wiederkommen. Dazu gehören Ringelblumen, Jungfer im Grünen, Borretsch, Malven in versch. Arten, Löwenmäulchen etc.

Ein Waldgarten muß gefühlt werden können (klimatisch), muß duften, muß sichtbar sein von weitem, er will gehört werden (zwitschern, summen, zirpen) und man muß ihn schmecken können. Einmal durch den Garten und satt sein, an Körper, Geist und Seele. Wenden wir den Blick nach oben sehen wir die Obstbäume, die Nußbäume, aber auch die Kulturbäume, die den Wind bremsen, die uns Laub liefern für unsere Beete, die Häckselmaterial für die Ställe der Tiere, für die Wege und Holz für die Verkohlung im Erdkontiki liefern. Die Stämme, der auf Stock gesetzten Kulturbäume werden für die Pilzzucht verwendet. So werden aus Kulturbäumen sofort wieder Nahrungslieferanten, auch sekundär durch die Düngung der anderen Pflanzen im Garten. Jede Pflanze ist wichtig und trägt ihren Beitrag für das große Gesamtkonzept, besonders die kleinen unscheinbaren, nicht beachteten, wie Löwenzahn und Vogelmiere, Ackergauchheil und Brennnessel und viele weitere.

Fahre eine Ernte ein

Wie sehr komme ich ins Schwärmen, wenn ich gedanklich in die Fülle meines Waldgartens eintauche. Es ist eine Leidenschaft für mich. Lange habe ich überlegt, wie ich neben meiner Arbeit als Referentin dieser Leidenschaft und notwendigen Arbeit im Waldgarten, der Pflanzenzucht, der Saatguterhalt, die Tierzucht etc. hinterherkomme und dabei natürlich die Zeit finde, Euch so gut es geht zu inspirieren. Rein nach der Permakulturethik Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen und teile gerecht. Ein System mußte her, das gegenseitige Unterstützung bringt. Deshalb darf ich Euch jetzt frohen Mutes verkünden, wir sind jetzt ein Verein! Ab Juli könnt Ihr Fördermitglieder werden des Mienbacher Waldgartens. Da wir ein Verein für Bildung und Forschung sind, wird natürlich alles dokumentiert. Ihr könnt dabei Teilhaben an unseren Anbauversuchen und als Mitglieder bekommt Ihr natürlich auch etwas zurück. Es wird monatlich ein Wissenspaket geben. Eine Art Mitgliederzeitschrift, vollgepackt mit permakulturellem Selbstversorgerwissen. Das gewonnene Saatgut aus dem Waldgarten gibt es in Zukunft auch nur noch für Fördermitglieder, dazu kann ich Euch aber auch einige meiner Produkte anbieten. Dazu wird es noch Listen geben. Für einen Teil des Mitgliederbeitrages habt Ihr diese Sachen natürlich dann frei. Alles über diesen Verein erfahrt Ihr auf der Hauptseite des Mienbacher Waldgartens, http://www.waldgarten.wordpress.com ab Juli.

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten/Selbstversorger-Akademie

Der Waldgarten ist Oase, Klimaretter, Lernort, zukunftfähiger Lebensraum, Ernährungssicherheit und noch vieles mehr. Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die die Wichtigkeit des Waldgartens erkennen und ins Tun kommen.
Unterer Bereich des Waldgartens, Zone 1
Veröffentlicht in Ernte und Haltbarmachen, Permakultur

Gärtnern mit der Natur

Keine Lust mehr auf konventionelles Gärtnern, weil die Schnecken den Salat und die Zucchini fressen, die Raupen den Kohl und die Drahtwürmer die Rüben? Dann wird es Zeit für mehr Natürlichkeit.

Der Garten ist total entgleist, alle Kräfte der Natur wenden sich gegen die Bemühungen des Menschen um zartes Gemüse. Und doch ist genug zu essen da. Wildkräuter als Salat- und  Spinatersatz, wildes Wurzelgemüse, sogar Süßkartoffeln.  Man sollte lernen, wie man mit der Natur wirtschaftet, dabei gesünder lebt, den Boden schont, Nützlingsecken im Garten anlegt und langsam auch wieder Freude am Kulturgemüse bekommt.

Lebendiger Mulch

Werden die Gemüsebeete nicht mehr gehackt, „verunkrauten“ sie. Aber „Unkräuter“ gibt es doch nicht mehr. Diese heißen jetzt „unerwünschte Beikräuter“. Doch genau diese unerwünschten Beikräuter bergen einen Schatz. Einen Schatz der wertvollsten Inhaltsstoffe für uns Menschen. Mineralien und Spurenelemente, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Um ein vielfaches mehr als unser Kulturgemüse. Und das, ohne den Boden auszulaugen, eher im Gegenteil. Von welchen Beikräutern wir hier reden? Von Vogelmiere, Ehrenpreis, Gundermann,  Löwenzahn, evtl. Brennnesseln und Giersch, Wegrauke und Klee.  Je nachdem, wie der Boden beschaffen ist. Diese Kräuter sind Anzeiger für die Bodenqualität, Retter und Beschatter für die Kleinstlebewesen im Boden, Futter für die Würmer und somit wieder Düngerproduzenten. Und wir entfernen diese wertvollen Kräuter und entsorgen sie,  im besten Falle noch, auf dem Kompost. Dabei ergeben diese Kräuter einen leckeren Salat oder gekocht auch Spinat. Dazu noch Borretsch und Kresse, Rucola und Spinat mit eingesät, ergibt dies ein kunterbuntes Salatbuffet!  Noch einige winterharte Kräuter, die bereits ab März beerntet werden können, wie Pimpinelle, Baldrian, Tripmadam, Schnittlauch, Winterheckezwiebel, Meerkohl, Schafgarbe, Spornblume, Orangenminze Salbei, Thymian und Löffelkraut. Salat der dauerhaft nachwächst! Viel zu viele kleine Blättchen? Größere Blätter bietet die Kulturmelde und der Mangold, beides Gemüse, die uninteressant sind für Schnecken oder andere Schädlinge. Ein weiterer Vorteil ist der kräftigere Geschmack. Ist man diesen erst gewohnt, wirkt jeder zarte Kultursalat nur noch langweilig und fahde.

Essbare Blüten

Dazu die vielen essbaren Blüten von Borretsch, Löwenzahn, Gänseblümchen, Taglilien, Kapuzinerkresse, Rucola, Ringelblume , Rose und Nelke, die nach Pilzen schmeckenden Knospen der Wegericharten und die süßen, nektargefüllten Taubnesselblüten. Ein wahrer Gaumen-, aber auch Augenschmaus!

Die Vogelmiere
Essbare Bestandteile: Das ganze Kraut
Verarbeitung: Das ganze Kraut roh im Salat
Die Vogelmiere wird auch Hühnerdarm genannt, da die inneren Kapillaren sich ziehen lassen wie Darmseiten und sich die äußere grüne „Haut“ des Stiels herunterschieben lässt. Das ganze Kraut ist sehr widerstandsfähig, sogar im Winter kann es unter dem Schnee  geerntet werden. Diese Widerstandsfähigkeiten verleiht sie aber auch demjenigen, der regelmäßig Vogelmiere zu sich nimmt. Eine Stärkung also für unser Immunsystem auf ganzer Linie.

Davon wird man aber nicht satt? Gut, dann ernten wir im zeitigen Frühjahr, sobald der Frost aus dem Boden entwichen ist, knackige Topinamburknollen. Als Rohkost mit Apfel und /oder Karotten, angemacht mit Kürbiskernöl und mildem Apfelessig….mmmmhhh.

Topinambur
Essbare Bestandteile:
Wurzelknollen und Blütenblätter
Verarbeitung: Die Knollen von Oktober bis April als Rohkost oder gekocht in Form von Suppen und /oder gedünstetes oder gebratenes Gemüse
Die Blütenblätter als essbare Blüten im SalatTopinambur enthält in seinen Inhaltsstoffen Inulin, eine Stärkeart, die besonders Diabetiker zu schätzen wissen, denn sie treibt den Blutzuckerspiegel nicht nach oben. Topinambur braucht nicht geerntet und eingelagert zu werden, sondern kann nach Bedarf geerntet werden. Die Knollen halten im Winterlager nicht sehr lange durch.

Etwas Warmes? Na gut, dann graben wir die Wurzeln von Haferwurz und Schwarzwurzel, wilder Pastinake, Nachtkerze und wilder Möhre aus. Oder  noch aromatischer, die Wurzeln des Myrrhenkerbels, auch Süßdolde genannt. Alles von Pflanzen, sind sie einmal im Garten etabliert, vermehren sie sich auch dort wieder und bieten somit Grundnahrung im März/April und Oktober/November/Dezember. Ist der Boden im Januar/Februar frostfrei, dann kann auch da geerntet werden. Sobald sich aber Blütenstiele aus der Blattrosette schieben, ist die Erntezeit vorbei. Die ganzen Wirkstoffe gehen in die Blüte und die Wurzeln werden holzig. Allerdings sind die Blüten von Nachtkerze und Süßdolde auch sehr schmackhaft und die Samenstände der Süßdolde, in noch grünem Zustand schmecken wie Lakritzbonbons. Die Wurzeln werden sauber geschrubbt, geschält und in kleinen Stücken gedünstet. Dazu eine Sauce Hollandaise oder Béarnaise, …ein Gedicht! Die Wurzeln von wilden Pastinaken und wilden Möhren sind jedoch oft schon, auch ohne Blütenstand, sehr hart und holzig, bilden  jedoch eine gute Suppengrundlage. Dazu noch Wassersellerieblätter, auch Sedanina genannt und kleingehackten Schnittlauch kurz vor dem Servieren darüber gestreut, ersetzt jede gekaufte Suppenwürze. Einfach nur noch Salz ins Kochwasser und entweder Linsen oder einfach Suppennudeln mitkochen lassen. Fertig ist die wärmende Frühlingsmahlzeit. Wer eher schattige Bereiche im Garten hat, kann leicht den Bärlauch ansiedeln. Auch der Beinwell und das Lungenkraut vertragen Schatten.  Dazu noch essbare Funkien und Apfelminze, fertig ist das essbare Schattenbeet rund um den Apfelbaum (Baumscheibenbepflanzung).

Auch der Sauerampfer bietet reichlich Grün für Suppen und Salate. Wegen der enthaltenen Oxalsäure sollte er aber nicht öfter, als 1 x die Woche oder immer in einer gesunden Kräutermischung genossen werden.

LöwenzahnEssbare Bestandteile: Blätter, Blüten, Knospen, WurzelnVerarbeitung:Wurzelstücke geröstet als KaffeeersatzBlätter im SalatKnospen als falsche KapernBlüten und Knospen im Salat oder gedünstet als GemüseDie ganze Pflanze ist leberwirksam und deshalb besonders für die Frühjahrskur geeignet. Soweit die klimatischen Bedingungen es zulassen, kann der Löwenzahn das ganze Jahr über geerntet werden.

Das Gleiche gilt für den Rhabarber. Wobei beim Rhabarber die Erntezeit sowieso nur bis Sonnwend begrenzt sein sollte. Auch die Meldearten enthalten diese Oxalsäure, weshalb von täglichem Blattverzehr oder

Wildspinat von Meldeblättern eher abzuraten ist. Da wir aber sowieso die Abwechslung lieben und im Sommer natürlich auch noch das Beerenobst unsere Speisekarte aus der Natur bereichert, überwiegen eher die Vorteile dieser natürlichen Ernährungsweise.

Das Gesamtbild des Gartens

Ja, und wie schaut denn dann der Garten aus? Einfach herrlich natürlich. Ein Lebensraum für viele Nützlinge und Wildtiere. Eine Oase in der Wüste der Thujenhecken und des englischen Rasens. Werden dann noch Nützlingsbiotope, wie Steinmauern oder -haufen, Totholzhaufen, kleine Teiche und Insektenhotels mit eingebaut, erhält der Garten Struktur und der ökologische Wert steigt um ein Vielfaches.

Die Teiche können auch gleich dazu benutzt werden Wildgemüse anzubauen, die es feucht mögen, wie die bereits erwähnte Sedanina, das Wiesenschaumkraut oder Wasserpflanzen wie die Entengrütze oder der Kalmus. Auch die Bachbunge ist essbar und die Wasserminze sehr aromatisch!

 Gärtnern mit der Natur heißt, die perfekte wilde, ursprüngliche Landschaft in unseren Garten zu bringen. Vielfältig, bunt und voller Leben.

Dieser Artikel stammt aus der Waldgartenzeitschrift 2014, die bereits vergriffen ist.

Rezepte für die wilde Gartenküche

Topinambur-Rohkost (pro Person): 100 g Topinamburkollen, 50 g frische Äpfel, 15 g Nüsse, etwas Zitronensaft, etwas Öl (Leinöl), geschlagene Sahne, Anis und Fenchel fein gemahlen, Schnittlauch, Petersilie oder Dill und Kerbel oder Salbei und Pimpernell fein gehackt, Salz.  Zubereitung: Topinambur in Wasser kräftig bürsten, ältere leicht abschaben oder schälen, in kleine Streifen schneiden oder raffeln. Zur besseren Bekömmlichkeit in leicht verdünntem Zitronensaft durchziehen lassen. Dann die Äpfel raffeln, untermischen, die zerkleinerten Nüsse und die übrigen Zutaten zufügen.

Russische Gemüsesuppe aus Wiesenklee und Sauerampfer (pro Person): 2 – 3 Kartoffeln, je 1 Handvoll Rotklee- und Sauerampferblätter, 1 mittlere Zwiebel, etwas Fett, ½ gekochtes Ei, saure Sahne, Salz, Pfeffer. Zubereitung: Kartoffeln schälen, in Stück schneiden, in kochendes Wasser geben und halb gar kochen. Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden und in etwas Fett goldgelb braten. Den gewaschenen Rotklee und Sauerampfer klein schneiden. Salz, Pfeffer, Zwiebeln und Grünes zu den Kartoffeln geben und weiterkochen, bis die Kartoffeln gar sind. Diese eventuell etwas zerstampfen. Mit saurer Sahne verfeinern und mit dem klein gehackten gekochten Ei garnieren.

Löwenzahnblütengemüse (für 2 Personen): 200 g Löwenzahnblütenknospen (junge und feste Blütenknospen, am besten, wenn sie noch im Blattrosettenboden stehen). 20 g Butter, Salz. Zubereitung: Die Blütenknospen waschen, abtropfen. Butter leicht bräunen, über die Knospen verteilen und mit Salz würzen.

Gedünstete Haferwurzen (geht auch mit Schwarzwurzeln und Nachtkerzenwurzeln): ca. 2 lange Wurzeln sauber schrubben, schälen (am besten mit Handschuhen, da die Schale orange abfärbt), in Stücke schneiden. In einer Pfanne oder Topf Butter oder Öl erwärmen, die Wurzelstücke dazugeben und ca. 15 Min. auf kleiner Temperatur dünsten, bis sie weich sind. Der Gabeltest zeigt uns dies an. Etwas Salz und Pfeffer zugeben. Beim Servieren mit Schnittlauch und/oder Frühlingskräutern garnieren.

Ich hoffe, der Artikel gefällt Euch, er ist jetzt vor 8 Jahren entstanden, aber das Thema veraltet ja nicht 😉

Mit permakulturellen Grüßen, Eure Hanne aus dem Mienbacher Waldgarten

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Autarkie, Netzwerke und paradiesisch leben

Hallo liebe Permagarten – Freunde,

ist komplette Selbstversorgung bei uns möglich? Das werde ich immer wieder gefragt. Ja, es wäre möglich, dann tun wir aber nichts anderes mehr. Ist es nicht schöner sich zu verbinden? Ein Netzwerk aufzubauen aus Menschen, die auch einen Teil der Selbstversorgung schaffen? Talente verknüpfen? Ich zum Beispiel kann zwar schlachten, aber keine Wurst herstellen. Ich kann Gemüse anbauen, aber Karotten werden mir nichts. Ich hab keine Ölmühle und keinen Mähdrescher. Brauch ich auch nicht, denn in meiner Nähe gibt es Landwirte, die das übernehmen können. Die darauf spezialisiert sind. Masanubo Fukuoka sagte damals, 4 Tage zu arbeiten müsse reichen, drei Tage braucht die Familie. Und er war dabei sehr erfolgreich! Naja, ich muß sagen, ich arbeite schon täglich. Aber bei freier Zeiteinteilung. Es ginge bestimmt besser im Management, doch ich werde es weiter wie bisher machen ;-).

Warum nicht für Hilfe sich mit Selbstgemachtem bedanken? Nichts ist so toll, als für eine Leistung als Dankeschön auch noch eine Kleinigkeit an Selbstgemachtem zu erhalten. Da weiß man, nein, da spürt man die Dankbarkeit. Gerade in unserer Schnelllebigen Zeit ist dies äußerst wertvoll!

Genießt Ihr auch die Maienzeit so wie ich? Vogelgezwitscher, Blütenduft, endlich wieder frostfreie Nächte! Jetzt beginnt das Leben draußen. Da ist man doch gleich wieder ein anderer Mensch, oder? Was kocht Ihr denn momentan? Bei uns gab es die letzten Tage sehr viel, wo wir Wildkräuter mit einbezogen haben. Polentapizza mit Giersch, Brennnesselspätzle, Spaghetti mit Gierschpesto, Spinat/Brennesselspinat mit Spiegelei usw. Dazu immer Frisches aus dem Folienhaus, dass bereits über den Winter gewachsen ist. Das Neue braucht noch etwas, bis auf die Radieschen, die sind jetzt echt schon wunderbar!

Ja, ich möchte Euch inspirieren zum Leben im Einklang mit der Natur. Mit niederem ökologischen Fußabdruck, mit gesundem Essen, mit Bewegung an der frischen Luft und evtl. auch Tierhaltung. Wir haben übrigens jetzt mittlerweile eine richtige kleine Ziegenherde. Und die Milch von 4 lieben Damen. Jetzt verarbeiten wir die gute Ziegenmilch zu Joghurt, Frischkäse, Paneer und Camembert. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie ich das genieße!

Ihr könnt uns jetzt übrigens wieder besuchen und auch wieder in den Hütten übernachten. Buchen könnt Ihr über Airbnb oder direkt über unsere Veranstaltungshomepage www.mienbacher-waldgarten.de. Dort findet Ihr auch unser Kursprogramm.

Und jetzt genießt einfach die Frühlingsbilder aus dem Mienbacher Waldgarten,

Eure Hanne

PS: zum Artikel in der Natürlich gärtnern & anders leben kommt Ihr auch hier: https://waldgarten.wordpress.com/seminarraum/in-den-medien/ Titel: In 20 Jahren vom Maisacker zum Waldgarten

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Die Notwendigkeit zu Handeln

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

wie jedes Jahr gibt es auch jetzt Anfang April noch einmal einen richtigen Kälteeinbruch mit Schnee. Es kann sogar noch bis in den Juni hinein kalt werden. Die Eisheiligen und die Schafskälte sorgen dafür. Das ist ganz normal, nichts Neues. Damit müssen wir rechnen. Wir sind so in unserem Sicherheitswahn gefangen, dass wir ganz vergessen, dass nichts, aber auch garnichts wirklich sicher ist. Ob es jetzt der Frost, die Schnecke, die Trockenheit ist. Damit mussten sich schon unsere Vorfahren abmühen. Wir dagegen haben die Möglichkeit einfach ein Gewächshaus, einen Folientunnel, ein Frühbeet aufzustellen, um geschützt heranziehen und anbauen zu können.

Wer die Zeichen der Zeit lesen kann, der ist jetzt fleißig bemüht sich Beete anzulegen, Bäume und Beeren zu pflanzen. Ein natürliches Wirtschaften setze ich mittlerweile voraus. Der Aufbau des Bodens muß unser Hauptaugenmerk sein.

Und natürlich hat nicht jeder die Fläche und die Zeit sich selbst zu versorgen im Anbau mit Obst und Gemüse. In jeder Region gibt es eine Direktvermarkterliste, mittlerweile in Zusammenschlüssen im Internet, aber nichts einheitliches, da müsst Ihr in den Suchmaschinen suchen. Baut Eure regionale und saisonale Ernährung dann einfach mit Hilfe der Bauern, Imker, solidarischen Landwirtschaften usw. auf. Zusätzlich kann die Natur mit ihren wilden Kräutern und wilden Obstarten eine sehr große Bereicherung sein. Ja, natürlich, auskennen sollte man sich da schon! Das erfordert einiges an Übung, aber auch hier gibt es mittlerweile in jeder Region genug Kräuterpädagogen, Waldpädagogen und sonstiges, die Wanderungen in der Natur anbieten und so kann man sich einarbeiten in ein Thema, das unsere Gesundheit immens bereichern kann. Auch ich biete im Laufe des Jahres in meinem Waldgarten Kräuterspaziergänge an. Da jede Zeit ihre besonderen Qualitäten bietet, im Lauf der Saison verteilt.

Ich weiß, ich hab das schon öfter geschrieben, aber ich empfinde es einfach als wichtig, wieder mehr Eigenverantwortung zu entwickeln. Selbst denken ist angesagt, oft haben wir dies bereits verlernt in diesem Wulst an Corona-Regeln und Negativmeldungen in den Nachrichten. Ist es nicht viel erquickender die Medien still schweigen zu lassen und lieber draußen dem Frühlingsgesang der Vögel zu lauschen?

Es gibt jetzt schon eine Riesenfülle, die man essen kann:

Vogelmiere, Taubnessel, Giersch, wilder Schnittlauch, Topinamburknollen, Nachtkerzenwurzeln, Gemüseampfer, Winterheckezwiebel, Mutterkrautblätter, Baldrianblätter, Löwenzahnblätter und -blüten, Brennnesselblätter u. v. m.

Ich selber bin Tierhalter, die Hühner, Enten und Gänse liefern mir momentan sehr viele Eier, in der Vorratskammer sind noch Trockenbohnen, Linsen, Kartoffeln, geschliffenes Getreide, jede Menge eingemachtes Obst, fermentiertes Gemüse, Essiggurken, Rote Bete, usw. Gedörrtes und Tees in Gläser, alles steht noch voll. Nur bedingt gibt es Lücken, da ich immer sofort wieder nachfülle, wenn irgendetwas hereingeschneit kommt an Essbarem. Ich selbst kann nicht anders, nur eine volle Vorratskammer gibt mir Sicherheit und Zufriedenheit. Vielleicht sitzt das auch nur bei mir so fest verankert? Schreibt mir doch bitte Eure Meinung dazu unten in die Kommentare, bestimmt ist das auch für andere sehr interessant. Von Direktvermarkter-Gärtnerkollegen erfahre ich nämlich immer mal wieder, dass es Leute gibt, die mit ihren Rezepten einkaufen gehen und dann genau 200 gr. Möhren und 100 gr. Nudeln kaufen (willkürliches Beispiel), damit ja nichts übrig bleibt und zu Hause rumstehen könnte. Diese Logik erschließt sich mir nicht. Wahrscheinlich hab ich deswegen im Gegensatz zu diesen Menschen so einen chaotischen Haushalt? Hungern muß bei mir jedenfalls keiner (sofern alles gegessen wird, was bei mir auf den Tisch kommt ;-))

Mein Ratschlag des Frühlings: Holt Euch so viel wie möglich aus der Natur an wilden Kräutern, nichts kann Euch sonst so einen Energiekick geben und Euer Immunsystem stärken.

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten

Selbstversorgung sollte zumindest zu einem kleinen Teil wieder ein Teil unserer Lebensart- und weise werden. Es wird wieder zur Notwendigkeit werden. Ich habe noch viel von daheim lernen können und gebe dieses Wissen sehr gerne an Euch weiter! Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten
Die Hühner liefern Eier, die Ziegen Milch und einen geschlossenen Kreislauf und Landschaftspflege. Außerdem Gesellschaft.

PS: Mein Kursprogramm findet Ihr auf www.mienbacher-waldgarten.de und meine Bücher und Publikationen oben im Reiter 😉

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Obstbäume in der Permakultur

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

Juni im Waldgarten, Vielfalt auf verschiedenen Stockwerken

warum ich separat nochmal einen Artikel über Obstbäume liefere? Weil es oft Missverständnisse gibt, was Obstbau in der Permakultur anbelangt. Auch ich selbst brauchte da einige Zeit, das gebe ich offen zu. Spätestens als ich die ersten Obstbäume verloren habe, begann mir in dieser Hinsicht ein Licht aufzugehen. Das ist jetzt aber auch schon ungefähr 9 Jahre her. Um noch mehr darüber zu erfahren, mach ich jetzt auch nochmal extra eine Ausbildung zum Baumwart. Weil es so wichtig ist, dieses Wissen zu erhalten, wenn alle älteren Herren, die das noch perfekt drauf hatten, nicht mehr sind. Das sich auch immer mehr junge Leute dafür interessieren, merke ich auch im Kurs selbst, die Notwendigkeit wird erkannt!

Geschnitten wird jetzt im März, oder im Sommer. Je nachdem, ob man den Baum beruhigen möchte, oder anregen. Leider sieht man allzu oft, dass Bäume richtig masskriert werden. Jegliches Fruchtholz wird weggeschnitten. Das Problem liegt aber darin, dass ein Obstbaum darauf ausgerichtet ist Früchte zu liefern. Nimmt man ihm alles weg, kann der Schuß auch nach hinten los gehen, der Baum kommt in Vollstreß und treibt nur noch sogenannte Wasserschosser, die Optik wird zum Besen. Man verursacht hierbei nur Arbeit. Ein Baum, der allerdings überhaupt nicht gepflegt wird, bringt minderwertiges Obst, spricht zu viel und zu kleine Früchte oder bricht im schlimmsten Falle auseinander. Es ist wichtig den optimalen Mittelweg zu finden, zwischen leicht anregen, aber nicht provozieren, um qualitativ gutes, lagerfähiges, schmackhaftes Obst zu bekommen.

Freistehendes Weinstockspalier kann im Hausgarten auch als Raumteiler oder Blickschutz für die Terrasse verwendet werden.

Die Geschichte der Selektion von größerem, schönerem, schmackhafterem Obst ist bereits mind. 8000 Jahre alt. Die Sorten, die wir heute als altbewährt benennen, haben meist ihren Ursprung im 19. bis Anfang 20. Jahrhundert. Dazugekomme sind die letzten Jahrzehnte die Bäume für kleine Gärten bzw. Balkon. Es werden Sorten, bzw. neue Sorten auf kleinwüchsige Unterlagen veredelt. So gibt es jetzt neben Spalierobst auch Buschobst, Zwergobst, Spindelobst. So kann auch in kleine Gärten eine geniale Sortenvielfalt gebracht werden. Aber, man muß wissen, wie gepflegt wird, sonst hat man nicht lange Freude daran! Während ein Hochstamm, ja auch ein Halbstamm schon mal locker über 100 Jahre alt werden kann, hat Zwergobst eine nicht ganz so lange Lebenszeit. Doch dieses Zwergobst passt auch wunderbar in den Gemüsegarten als leichter Schattenspender und Mikroklima-Regulierer.

Was ist jetzt anders in der Permakultur?

Also ich würde sagen, die Kombination mit anderen Pflanzen, das Bilden von Obstbaumlebensgemeinschaften (dieses Wort stammt aus dem Buch: Gärtnern im Biotop mit Mensch, vom Ehepaar Kleber, erschienen im OLV Verlag). Es werden sogenannte Gilden aufgebaut, die den Baum gesund erhalten. Zum einen im Wurzelbereich, zum anderen im vergrämen von Schädlingen. Innerhalb des Umkreises des Obstbaumes können bis zu 7 Stockwerke aufgebaut werden, wie im Waldgartensystem. 1. Pflahlwurzler, 2. Bodendecker, 3. Kräuter, 4. Beerensträucher, 5. Wildobst, 6. Obstbaum, 7. vertikaler Bereich. Wichtig ist, dass der Wurzelbereich nicht laufend betreten wird und kein Gras als Hauptkultur wachsen kann. So entstehen kleine, produktive Inseln, die sich selbst helfen können. Doch das Schneiden bleibt nicht aus.

Es gibt tatsächlich ursprüngliche Sorten, die sogenannten Wurzelechten, die brauchen nicht geschnitten zu werden, wie z. B. auch Wildäpfel oder Wildbirnen. Doch können wir von diesen auch keine Früchte in Supermarktqualität verlangen. Was unsere Permakulturfrüchte allerdings können, sind die gesunden Inhaltstoffe. Diese Äpfel mußten sich selbst wehren, gegen Schadinsekten, alle Witterungseinflüsse und Krankheiten. Diese Früchte haben die Möglichkeit Stoffe zu produzieren. Abwehrstoffe, die sie auch an uns weitergeben können. Das kann ein „Pink Lady“ Apfel aus dem Supermarkt, der vielleicht aus Argentinien kommt, nicht. Generell gibt es genug Obtsbauern, es bedarf keinerlei Einfuhr. Kommt ins Tun und bleibt dadurch gesund!

Wenn Ihr dazu Hilfe braucht, eine Beratung, per Telefon, Zoom oder ähnliches, der kann sich gerne bei mir melden. Unter https://waldgarten.wordpress.com/angebote-u-consulting/ erfahrt Ihr mehr.

Wollt Ihr einen ordentlichen Obstgarten anlegen? Dann plant gut, überlegt Euch genau, welche Sorten Ihr haben wollt, lasst Euch in einer guten Baumschule beraten und pflanzt auf jeden Fall im Herbst! Macht bei Eurem regionalen Gartenbauverein einen Obstbaumschnittkurs, sollte dort keiner stattfinden, wendet Euch an den Kreisfachberater im Landratsamt. Oder an die Baumwarte, die auch regionale Listen führen, wer in der Region fachgerecht schneiden kann. Damit Ihr gutes Obst ernten könnt, dass auch gut lagerfähig und gesund ist.

Bücher, die Euch weiterhelfen können!

Wünsche Euch einen herrlichen Obstgarten,

mit permakulturellen Grüßen,

Hanne

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Harze, wertvoller Stoff für die Hausapotheke

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

gerne möchte ich Euch heute ein paar Rezepte liefern. Nein, sie stammen nicht von mir, wurden gesammelt von Mag. Alois Krautgartner, Heilpraktiker aus Freilassing, der sie mir großzügigerweise zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Heimischer Forst, Wirtschaftswald, Monokultur

Der Wald bietet uns so viel, wir brauchen uns nur zu bedienen. Die Harzbrocken an den Bäumen schenkt er uns sehr gerne. Nur verletzen sollten wir die Bäume dabei nicht. Der Artikel hier erschien bereits in der Waldgartenzeitschrift 2015, die mittlerweile auch vergriffen ist.

Nadelbäume und ihr wertvolles Blut – wie Harze uns helfen gesund zu bleiben

Nadelbäume haben in einem Selbstversorgergarten nichts zu suchen! Das war und ist gängige Meinung. Zugegeben, die Modeerscheinung in den 70er und 80er Jahren Blaufichten, serbische Fichten und dergleichen in kleine Siedlungsgärten zu pflanzen, nur weil sie immergrün sind und keine Arbeit machen, hat schon etwas geprägt. Heute stehen da nämlich riesige Bäume, die enormen Schattenwurf haben, unnötig Platz wegnehmen und meist sogar zur Gefahr für Bauwerke werden, denn als Flachwurzler können sie bei starken Stürmen schon mal entwurzeln und umkippen. Deshalb: diese imposanten Bäume haben in Hausgärten definitiv nichts zu suchen! Doch gehen wir raus in die Natur, in den nächsten Wald, kann Fichtenharz, Tannenharz, Kiefernharz, manchmal sogar Lärchenharz in rauen Mengen gesammelt werden. Meist werden die Bäume durch Waldarbeiten verletzt, wenn bei Stürmen Bäume umfallen und danach aus dem Wald gezogen werden, bei Fällarbeiten usw.

Deshalb finden wir besonders den Waldwegen entlang viel beharzte Bäume. Man muss nur einen Blick dafür entwickeln.

In der Schulmedizin finden Harze kaum Anwendung, lediglich das Lärchenterpentin (Terpentin wird das noch flüssige Harz genannt) innerhalb von Salben gegen Furunkeln, Nervenschmerzen, Bronchitis und dergleichen. Die Harze von Nadelbäumen werden mit ihren Wirkstoffen sozusagen alle in einen Topf geworfen, mit Ausnahme des Lärchenharzes. Als Tinktur angesetzt zeigt es sehr entgiftende Eigenschaften auf den Körper und soll sogar Schwermetalle aus dem Körper ausleiten können.  Selbst neuralgische Schmerzen soll eine Lärchenharzsalbe lindern können. Besonders schmerzhaft sind neuralgische Schmerzen im Gesicht und ein Arbeiten mit Cayenne-Pfeffersalbe (wie bei Ischiasschmerzen) oder starke ätherische Ölaufträge mit Pfefferminze und Kiefernadelölen sind neben den Augen auch nicht gerade angenehm. Das Lärchenharz wird beschrieben als antiseptisch, gewebeschleimlösend und schleimlösend, weshalb es auch sehr gut zu Einreibungen bei grippalen Infekten und Bronchitis verwendet werden kann.

Eine schleimlösende Wirkung ist jedoch den anderen Nadelbaumharzen auch nicht abzusprechen.

Ihre Einsatzgebiete liegen hauptsächlich in der Volksmedizin. Jegliches Fichtenharz, Tannenharz, Kiefernharz, auch das Harz der Zirbe, das aber hauptsächlich nur im Alpenraum auf Höhenlagen vorkommen wird, kann dabei verwendet werden. Es wird sowohl bei Mensch, als auch bei Tier eingesetzt. Bekannt dafür, dass es Entzündungen aus dem Körper zieht und Wunden schneller heilen lässt, sollte es zukünftig in keiner Hausapotheke mehr fehlen!!!

Traditionelle Salbenrezepte werden mit Schweinefett als Hauptzutat angegeben. Warum? 1. War es am leichtesten verfügbar und 2. waren Pflanzenöle früher eher rar und 3. ist das Schweinefett dem menschlichen sehr ähnlich und wird dadurch von unserer Haut sehr gut aufgenommen, es hat also zusätzliche pflegende Eigenschaften. Viele pflanzliche Öle bleiben eher auf der Hautoberfläche und ziehen nur schlecht ein.

Aus eigener Erfahrung kann ich hierzu noch einiges anfügen. Die Salben sind mit Oliven- und/oder Sonnenblumenöl genauso wirksam. Entsprechende Kräuterbeifügungen verändern die Wirkung gering, sind jedoch immer zum Vorteil.

Selbst habe ich die Erfahrung machen dürfen, das entzündete Pickel und Mitesser nach auftragen der Salbe innerhalb einer Stunde reifen, ausgedrückt werden können und somit schnell abheilen. Ein Prozess, der sonst Tage, leichte Schmerzen und Unwohlsein  in Anspruch genommen hat, wird innerhalb weniger Stunden erledigt. Solcherlei Salben können jederzeit auf offene Wunden aufgetragen werden. Die antiseptische Wirkung der Harze hält die Wunde rein, trocken und fördert ein enorm schnelles Abheilen. Sehr förderlich ist dies auch bei den neurodermitischen Ausschlägen meines Sohnes. Kein Nässen mehr, kein jucken mehr, und sehr schnell wieder saubere rosige Haut.

Persönlich sammle ich hauptsächlich das harte, trockene Harz an den Bäumen. Sofern man allerdings eine frische „Pechquelle“ aufgetan hat, kann auch das mit einem Holzspatel abgeschabt und in ein Glasgefäß gegeben werden. Fest verschlossen bleibt dieses Pech flüssig und kann durch Erwärmen, z. B: im Wasserbad noch mehr verflüssigt werden.

Feste Harze sollten in einem Mörser verpulvert und können dann in Öl oder Fett erwärmt werden, damit die Wirkstoffe sich verflüssigen und in des Öl bzw. Fett übergehen. Frische oder getrocknete Kräuter können  diesem Vorgang bereits beigegeben werden. Nach Abfiltern des Ganzen wird die Salbe mit Bienenwachs eingedickt.

Gabriela Nedoma beschreibt in ihrem Buch: Grüne Kosmetik, Bio-Pflege aus Küche und Garten (erschienen im Freya Verlag und über www.waldgartenprodukte.de zu beziehen) eine Harzsalbe mit frischem Basilikum, die als Königssalbe betitelt wird, Zugsalbe bei Entzündungen der Haut. Dies kann ich nur extrem bestätigen!

Hier das Rezept:

5 El frisches Basilikum, zerkleinert,150 ml Olivenöl, 5 g Fichtenharz  (im Mörser zerkleinert), 5 g Bienenwachs

Das Öl in einem Topf erwärmen, Basilikum fein hineinschneiden. Das Harz im Mörser pulverisieren und dem Öl zugeben. Ca. ½ Std. unter der Siedetemperatur ziehen lassen, danach in der Resthitze nochmals ½ Stunde nachziehen und erkalten lassen. Das Öl durch ein Feinsieb abseihen und erneut in den Topf füllen. Wachs zugeben und so lange erwärmen, bis es vollständig schmilzt. Die fertige Salbe in einen Tigel füllen.

Folgendes Wissen hat Heilpraktiker Mag. Alois Krautgartner aus Freilassing auf seiner Homepage (www.heilpraktiker-bgl.de) niedergeschrieben:

Ein weiterer Volksglaube, dem aber absolut Glaube geschenkt werden darf, besagt, dass die sogenannten Pechsalben nicht wirken wenn sie verkauft werden. Sie wirken erst, wenn sie einem geschenkt werden!

Im österreichischen Mühlviertel , bei den früheren Wehrbauern, waren drei Dinge von besonderer Wichtigkeit:

1. Eine Quelle,

 2. Ein fruchtbares Land und

3. Pechöl oder „Heilsam“ gegen allerlei Leiden

Auf einem flachen, leicht geneigten Granitstein wird harzreiches Föhrenholz pyramidenförmig geschichtet. Die Ummantelung besteht aus Fichtenästen und Rasenstücken. mittels Trockendestillation wird das Harz als Pechöl ausgeschwitzt. Dieses hat eine dunkelbraune bis schwärzliche Farbe und fand vielseitige Verwendung in der Human- und Tiermedizin.

Rund 80 Pechölsteine gibt es im unteren Mühlviertel. Davon sind nur noch die wenigsten in Gebrauch. Die wenigen, die in Gebrauch sind, dienen in der Regel musealen und touristischen Zwecken.

Brauchtum, Geomantie (die Lage auf positiven Erdenergie-Globalgitternetz-Kreuzungen bedingt eine optimale Verglosung (=verglimmen, verglühen)) und Volksmedizin vereinen sich beim Pechöl zu einem heilsamen Naturprodukt.

Rezept: „Pechsalbe“

Gleiche Teile von Schweinefett, Pech, Johanniskrautöl, Bienenhonig und Bienenwachs. Schweinefett mit Baumpech auskochen und abseihen; Bienenwachs zugeben und während des Abkühlens Honig und Olivenöl einrühren – sehr gute Wund- und Heilsalbe.

Unverkäuflich wird die Salbe durch das Einarbeiten von Mühlviertler Pechöl. Bauern verlangen nach der Salbe, wenn das Vieh Geschwüre und Hufverletzungen hat. Sie selbst gebrauchen es für die Wund- und Hautheilung und zur Eröffnung von Eitergeschwulsten, bei Abszessen und Furunkel. Harze sind destillierte Lichtwirkstoffe mit stark antiseptischer Wirkung.

Aus Wien zurück geht es wieder in die heimischen Wälder, um aus der Apotheke der Natur Koniferenharze aus Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche und selbst Zirbe zu sammeln. Jede Baumart (sogar jeder Baum) hat natürlich ihr/(sein) eigenes Harzprofil, und doch zielt die Wirkung immer in eine bestimmte Richtung.

Seit Urzeiten stellen die Heilkundigen der verschiedenen Regionen folgende Grundrezeptur durch gelinde Kochung her. Oftmals geschieht es, dass die Fettschmelze tagelang am Rand des Ofens mit jeder neuen Anfeuerung wieder erwärmt und weiter „gekocht“ wird. Zeit wir somit zu einer bedeutenden Ingredienz bei der Herstellung von Lebens- und Heilmitteln.

Rezept: „Boandlrichterschmier“

2 Teile Baumharz, 1 Teil Fett, 1 Teil Bienenwachs.

In der Alchemie unterstehen Fette, Wachs, Honig und Harze dem Element Feuer mit einer kontrollierenden Wirkung auf das Element Luft. Das Element Luft selbst regiert die Lunge, Haut, Gelenke und Bewegungsapparat. Gebrauchswissen und traditionelle Nutzung haben in vielen natürlichen Dingen eine Übereinstimmung mit überzeitlichem alchemistischen Wissen.

Es gibt sie tatsächlich noch, die so genannten Knochenrichter, welcher allesamt eine Schmier mit Harz, Fett und Wachs nach gelungener Reposition* anwenden. Die wenigsten wollen genannt werden, alle arbeiten mit ähnlichen Werkzeugen: mit viel Gespür, mit Appellen an die Selbstheilungskräfte, mit den Tränen der Bäume…

Selbstverständlich variieren die Mischungsverhältnisse und auch Kräuterzusätze sind üblich. Im Raum Golling/Abtenau am Tennengebirge teilte mir eine alte Bäuerin die Zubereitung folgender Haussalbe mit.

Rezept: „Haussalbe“

Spitzwegerich, Breitwegerich, Kamille, Thymian, Ringelblume, Hauswurz, Arnika, Frauenmantel, Käsepappel; Lärchen, -Fichten- und Tannenpech in Fett anbraten – Bienenwachs dazugeben, noch flüssig durchseihen und erkalten lassen.

Diese Salbe hat sich besonders bei allerlei Wunden, Geschwüren und Hautverletzungen bewährt. Selbst alte Sehnen- und Bänderzerrungen reagieren auf wiederholte Anwendungen mit Schmerzreduktion und mehr Bewegungsspielraum. Die Alten empfehlen zu diesem Behufe die vorherige Einreibung mit Vorlauf * und eine anschließende Wärmepackung. Oft konnte ich in meiner naturheilkundlichen Praxis miterleben, wie diese altbewährten und selbst zubereiteten Salben alte Schäden am Gelenk- und Bewegungsapparat dauerhaft linderten oder oftmals auch beseitigten.

Salbenzubereitungen auf dem Holzofen oder am Lagerfeuer erhöhen die Qualität jeder Salbe.

Wir brauchen wieder den Mut zur Selbstherstellung, den Mut zu eigenen Erfahrungen und eine brauchbare Kultur der Selbstversorgung. Das Salbenzubereiten schafft solche heilsamen Erfahrungsräume. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Hausverstand.

Nicht umsonst stehen Spitz- und Breitwegerich an erster Stelle. Genauso zahlreich wie ihr Vorkommen sind die heilsamen Botschaften dieser beiden Wundkräuter. Wie mit Goldfäden durchweben sie den Wundraum und sorgen dafür, dass kein faules Fleisch entsteht. Ihre antibiotischen , besser müsste man sagen, ihre probiotischen Wirkstoffe (u.a. Aucubin, ein Iridoidglykosid)) sind tatsächlich auch pharmakologisch entschlüsselt, wobei jahrhunderte lange Erfahrungen in der Naturheilkunde nicht unbedingt einer so genannten wissenschaftlichen Absegnung bedürfen. Eine Bestätigung ist durchaus erwünscht.

Auf jeden Fall erfüllt Harz im Verbund mit Wundkräutern wie Spitz- und Breitwegerich mehrer „volksmedizinische Kriterien“:

  1. hoher Bekanntheitsgrad
  2. häufiges Vorkommen
  3. flächendeckende Verfügbarkeit
  4. tradiertes Gebrauchswissen
  5. therapeutisches Erfahrungsgut
  6. überprüfte und überprüfbare Wirkungen bei Anwendung
  7. sehr geringe Kosten…

Wird oben genannte Salbe sehr warm auf die Haut aufgetragen, beziehungsweise vor Anwendung nochmals erwärmt, haben wir ein wirksames Zugpflaster bei eitrigen Affektionen. So jedenfalls gebrauchten es die Alten.

Zusammen mit meinem Freund Bernhard Kern – Heilpraktiker und Landschaftsgärtner – entstand 2002 gemäß alten Wissens, dass Harz die Körper nicht faulen lässt, ein Wundbalsam für unsere Freunde – die Bäume. Auf diesem Weg statten wir etwas zurück, was wir vorher reichlich erhalten haben.

Rezept: „Veredelungswachs für Gärtner“

2 Teile Schweineschmalz, 4 Teile Olivenöl, 6 Teile Fichtenharz, 3 Teile Bienenwachs, 1 Schuss Vorlauf*

…gemeinsam erwärmen, gut verrühren und in ein Vorratsglas füllen. Das Wachs ist wegen der konservierenden Wirkung des Harzes jahrelang lagerfähig. Es sollte an trockenen Tagen körperwarm mit einem Holzspatel aufgetragen werden – zum Verschließen von Sägewunden und Veredelungsstellen bei Gehölzen.

Herr Kern nennt einige Vorteile gegenüber handelsüblichen Präparaten:

Hohe Plastizität über lange Zeit, die auch bei starken Frösten nicht vollständig verloren geht. Dies verhindert später auftretende Risse am Wundverschluss und die Bildung von Spalten am Rand von Veredelungsstellen. So werden das Eindringen von Regenwasser und eine folgende Verpilzung vermieden.

Hohe Haftkraft auch auf feuchten Wunden, wie z.B. beim Schnitt des Walnussbaumes

Nicht wasserlöslich, wird auch frisch nach der Verarbeitung nicht vom Regen abgewaschen

Vollständig biologisch abbaubar

Ungiftig für Mensch, Tier und Pflanze

(Selbst)Herstellungskosten relativ gering

Dieses Veredelungswachs ist im regen Einsatz bei Landschafts- und Hobbygärtnern.

Die Tränen der Bäume heilen die Wunden der Bäume.

Vor einigen Jahren trat ein Freund aus dem Lungau mit der Bitte an mich heran, ob ich nicht eine Arznei für seinen Vater hätte, der seit mehreren Jahrzehnten an chronischen Husten laborierte. Ich erinnerte mich an die Bartflechte (Usnea barbata), die in den Gegenden, wo sie vorkommt, vereinzelt noch als erkräftigendes Mittel zur Stärkung der Lungen und Bronchien Verwendung findet. Selbst die moderne Phythopharmakologie bestätigt auf Grund von antibiotisch wirksamen Flechtensäuren eine positive Wirkung bei infektiösen Lungenkleiden, Erkältungen und Bronchitis.

In der Naturheilkunde kommt die Bartflechte auch bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren zur Anwendung. Eine einmonatige Einnahme von bis zu 50 Tropfen einer Tinktur (Ansatz von Bartflechte in Kornbranntwein) schaffte dauerhafte Abhilfe für den Vater meines Freundes aus dem Lungau.

Angeregt durch diese Erfahrung kreierte ich eine lungenstärkende Brustsalbe, die sich bei vielen Krankheitsfällen immer wieder bestens bewährt hat.

Rezept: „Lungauer Brustsalbe“

1 Teil gereinigtes Harz von Fichte, Lärche oder Kiefer und

5 Teile Ölmazerat (Knospen der Lungauer Balsampappel werden in Olivenöl mehrere Wochen mazeriert)

Die Zutaten werden gemeinsam im Wasserbad erwärmt und zum Schmelzen gebracht. Durch den Zusatz von Bartflechte in die Fettschmelze kommt es zu einer optimalen Verbindung von Harz und Öl. Außerdem kommt es zu einem Synergismus von heilenden Effekten auf das Lungen- und Bronchialsystem. Nachdem die Mischung abgesiebt wurde, wird sie mit Bienenwachs zu einer pastigen Salbe eingedickt.

Jede der genannten Salben kann korrigiert werden. Ist die Salbe zu flüssig, wird sie nochmals erwärmt und mit Bienenwachs gefestigt, ist die Salbe zu fest, wird sie unter nochmaliger Erwärmung unter Beigabe von Öl oder Fett verflüssigt. Wir haben bei diesen einfachen, aber sehr wirkungsvollen Salben, die Möglichkeit der Korrektion, das heißt, sie gelingen auf jeden Fall.

Interessant ist es, an dieser Stelle zu vermerken, dass die naturgemäße Heilkunde vom Volk aufrecht erhalten wird und keineswegs von den Fachleuten der Heilkunde, den Ärzten und Apothekern. Paracelsus, der vieles von den Bauern gelernt hat, wusste und schätzte, „dass der Arzt nicht alles, was er können und wissen soll, auf den hohen Schulen lernt und erfährt, sondern er muss auch zeitweise zu den alten Weibern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und dergleichen in die Schule gehen und von ihnen lernen.“

So wollen wir es halten. Traditionelle Heilkunde und Erfahrungswissen sind eine lebendige Wissenschaft, die durch Gebrauch und Anwendung am Leben erhalten werden muss – Von den Tränen der Bäume zum Wohle der Menschen.

Verfasser: Mag. Krautgartner Alois, Hauptstrasse 41, 83395 Freilassing, Heilpraktiker und Naturphilosoph

  • Reposition oder reponieren (von lateinisch reponere ‚zurücklegen‘) steht für das Zurückbringen von Gelenken, Knochen oder Organen in eine (annähernde) Normallage oder Normalstellung
  • Als Vorlauf bezeichnet man bei der Destillation von Spirituosen das zu Beginn entstehende Destillat. Es enthält besonders viel giftiges Methanol und andere leichtflüchtige Substanzen wie Ethylacetat und ist für den menschlichen Genuss nicht geeignet.
Balsampappel

Naturheilpraxis Freilassing

– Seminare auf Anfrage: Natur-Philosophie und Naturheilkunde
„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Hausverstand“

Hoffe, Ihr findet den Artikel genauso interessant und wichtig wie ich ;-).

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten

Veröffentlicht in Permakultur

Artgemäße Nutztierhaltung im Hausgarten

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

Seit 2014 bring ich regelmäßig eine Zeitschrift, eine Liste, ein Buch oder eine Themeheft mit Artikeln von mir heraus. Nun sind die Hefte von 2014 und 2015 bereits vergriffen. Damit aber die Artikel jetzt nicht wirklich in Vergessenheit geraten, hab ich mir gedacht, ich werde hier immer mal wieder einen veröffentlichen. Dann könnt Ihr die auch gerne nachlesen und sie bleiben erhalten, verursachen keine weiteren Druck- und Versandkosten ;-).

Der Artikel heute mit obigem Titel stammt aus meiner ersten Waldgartenzeitschrift vor 8 Jahren. Ähnlich erschien er dann auch in der Natürlich gärtnern und wird als Kurs (natürlich abgewandelt) in meinem 5-Tages-Selbstversorger-Intensivkurs dargestellt.

Doch, hier bitteschön, viel Spaß beim Lesen:

Die Brahma´s im Waldgarten

„Nutztiere im Hausgarten? Nein, danke. Ich kaufe meine Eier und meinen Honig im Supermarkt um die Ecke.“ Aber was bekommen wir da? Eier aus Hühnerhaltung in Legebatterien, gefüttert mit Gensoja aus Bolivien und Honig, der zusammengepanscht  in großen sich aufheizenden Tanks in der Sonne auf die Beförderung in die Industrieländer wartet.  Ob das lecker schmeckt? Ich weiß es nicht, denn ich habe meine Nutztiere im Hausgarten!

Hühner, Wachteln, Enten, Bienen, Kaninchen, bei etwas größeren Hausgärten vielleicht Gänse, ein bis zwei Ziegen…und was habe ich davon? Eier, Fleisch, Honig, weiche Felle, Milch, Frischkäse, einen Zusatzverdienst, gesundes Essen und meiner Meinung nach am Wichtigsten: Nette Gesellschaft! Denn, ob Ihr es glaubt, oder nicht, Hühner hören zu! Eine nette kleine Gesellschaft im Garten. Probleme treten lediglich auf, wenn die falschen Rassen ausgewählt werden, die Tiere zu laut oder zu viele werden, oder wenn sie nicht artgemäß  und sauber gehalten werden!

Seidenhahn Rocky mit Brahma-Damen

Hühner

Viele Leute schütteln den Kopf, wenn ich in voller Begeisterung von meinen Hühnern erzähle. Immer wieder neue Rassen ausprobiere, die Eier im Brutapparat ausbrüte und die Küken hochpäpple. So ein Aufwand für ein paar Eier? Oh ja. Der Aufwand lohnt sich auf alle Fälle. Jedes Huhn hat ihren eigenen Charakter, jede Rasse ihre Eigenarten. Viele, die sich von meiner Begeisterung haben anstecken lassen,  haben es mir schon bestätigt. Es dauert wirklich nicht lange, bis die Hühner Familienmitglieder werden. Besonders in kleineren Hausgärten. Natürlich eignen sich dafür nicht alle Rassen. Will man sie frei laufen lassen, ist der Garten bei stark scharrenden Rassen bald ruiniert. Es gibt jedoch federfüßige, wie Seidenhühner, Brahma, Cochin, Zwerghühner, Sundheimer…die weit weniger scharren. Und noch dazu so dekorativ sind!  Ein weiterer Vorteil dieser Rassen: der Zaun muss nicht hoch sein, denn alle diese Rassen sind auch flugfaul! Es gibt nur böses Blut, wenn flugfreudige Junghühner oder gar Hennen mit Kükengefolge (das Huhn fliegt und die Kleinen schlüpfen unten durch) Nachbar´s Garten umgestalten. Eine weitere Möglichkeit wäre die Volierenhaltung, die allerdings nicht wirklich artgemäß wäre. Ein sicherer Stall muss aber auch im Hausgarten vorhanden sein, denn Räuber wie Marder und Fuchs kommen heute nur zu gerne in Siedlungsräume, da ihnen der Lebensraum verloren geht. Wer sein Leben nicht nach den Hühnern richten möchte, der kann einen automatischen Türöffner mit Zeitschaltuhr einbauen der morgens den Hühnern öffnet und abends die Tür automatisch schließt. Die Hühner gehen, sobald es dämmert, in ihren Stall. Schwere und flugunfähige Rassen, wie Brahma , Cochin und Seidenhühner benötigen auch nicht dringend Stangen. Sie kuscheln sich auch gerne auf dem Boden zusammen. Diese Rassen sind  sehr sozial und nur selten kommt es zu Streit untereinander. Besonders diese Rassen werden auch gerne als Therapiehühner verwendet. Ja, sowas gibt es! Therapiehühner sind zahme, liebe Hühner, die es Kindern ermöglichen, ihren Erstkontakt zum lieben Federvieh zu bekommen, oder einfach generell ein Gefühl für andere Lebewesen. Wenn ich meine Kinder mit den Hühnern beobachte,  dann sehe ich sofort, jedem Kind sein Huhn!

Auch die Problementsorgung von übrig gebliebenem Mittagessen entfällt mit der Hühnerhaltung. Zwei bis drei Hühner können in einem Vier – Personenhaushalt ohne Probleme nur von den Küchenresten leben!

Wachteln

Wachteln im Freigehege

Ist nur wenig Platz vorhanden oder dem lieben Nachbarn auch das leise Gackern eines Huhnes zu viel, besteht die Möglichkeit Wachteln zu halten. Legewachteln sind unscheinbare, leise Tierchen, die aber über den Sommer hinweg, jeden Tag ihre Eierchen ins Volieren-Gras legen. Hier heißt es aber aufgepasst, damit keines der Eier zertreten wird, denn auch diese sind gut getarnt! Den Wachteln kann auch gerne ein Hahn zur Gesellschaft zugegeben werden, denn das Gackern des Wachtelhahnes kann leicht mit dem „Gesang“ eines vielleicht exotischen Käfigvogels verwechselt werden und dagegen kann niemand etwas einzuwenden haben. Auch Wachteln können sehr zahm werden. Über den Winter können sie draußen bleiben, brauchen allerdings einen guten Windschutz und Rückzugsplatz, vorzugsweise in einer trockenen Ecke mit viel Zweigen, denn sie verstecken sich gerne unter Gebüsch. Wachteln gibt es bei uns leider nur noch selten in freier Wildbahn. Die moderne Landwirtschaft und das Vernichten der Hecken und Feldraine haben ihnen den Lebensraum genommen. Wachtelhaltung ist auch auf Terrasse oder Balkon möglich. 4 Tiere können auf einem Quadratmeter leben. Dieser Quadratmeter sollte aber abwechslungsreich gestaltet sein, die Vögel sollten sich auch zurückziehen können!

Enten

Ein weiteres, sehr geselliges Tier ist die Ente. Besonders die indische Laufente, auch Schneckenente genannt. Auch ihr reicht ein niedriger Zaun, denn sie ist absolut flugunfähig. Ständig ist sie auf Schneckensuche im Garten, wobei hier hauptsächlich die Weibchen suchen und die Männchen hinterher watscheln und „Wache schieben“! Ein kleines Wasserbecken reicht ihnen schon. Es sollte regelmäßig saubergemacht werden können, denn Enten verdrecken gern ihr Wasser. Nicht unterschätzt werden sollte das fast schon penetrante Geschnatter  der weiblichen Enten, wenn ihnen irgendetwas nicht passt. Kommt das Futter nicht wie gewohnt, naja, dann wird eben so lange geschnattert, bis man sehr gerne füttern geht. Ist ein schöner Tag und die Ente ist glücklich, na, dann wird halt eine Entenhymne gesungen! Männchen sind hingegen eher ruhig, aber leider nicht die allerhellsten! Gerne schließen sie sich auch den Hühnern an. Mehrmals haben meine Hühner schon Enteneier ausgebrütet. Umgekehrt funktioniert das zwar auch, aber nicht so gut. Vor allen Dingen, wenn die Entenmama schwimmen geht und das Hühnerküken am Rand hin und her rennt und fast verzweifelt. Indische Laufenten haben eine beachtliche Legeleistung! Lässt man sie nicht brüten und nimmt ständig die Eier ab, kommt man auf über 200 Eier im Jahr. Im Gegensatz dazu legen Seidenhühner 160, Brahma und Cochin kaum 100. Zwerghühner sind da wieder legefreudiger. Hybrid-Legehuhnrassen kommen auf mind. 250 Eier im Jahr, sind aber gelegentlich sehr flug- und scharrfreudig. Dies sollte nicht unterschätzt werden! Jedes Federvieh benötigt einen Fuchs und Marder sicheren Stall! Es gibt noch viele weitere interessante Entenarten (doch das würde hier zu weit gehen)

Gänse

Fast nicht in Siedlungsräumen zu halten sind Gänse. Eigentlich wären sie sehr gute Rasenmäher, aber noch bessere „Wachhunde“. Sie melden absolut zuverlässig! Ob der Nachbar dies zu schätzen weiß, bleibt dahingestellt! Auch kommt es gelegentlich vor, dass besonders die Ganter sehr aggressiv werden können und besonders bei Kindern hier Vorsicht angebracht ist. Der Schnabel ist zwar nicht spitz, kann aber doch ganz schön zwicken!

Jedes Federvieh braucht Körner. Diese müssen natürlich zugekauft werden, am besten vom regionalen Landwirt des Vertrauens. Auch die Einstreu muss regelmäßig erneuert werden. Diese Dinge müssen vor der Anschaffung geklärt sein. Für Ställe zur Tierhaltung im Hausgarten gibt es wunderbare Fertigbauteilställe, die schnell zusammengebaut sind und auch relativ kostengünstig in der Anschaffung sind. Wer handwerklich nur etwas begabt ist, kann sich auch gerne Hühnerställe selber bauen. Anleitungen dazu gibt es zur Genüge im Worldwideweb.

Kaninchen

Völlig still und leise sind Hasen, bzw. Kaninchen. Im Hausgarten können sie jederzeit auch als Rasenmäher fungieren. Mit verstellbaren Metallgittern,  die oben geschlossen sind, können sie tagsüber täglich ein weiteres Stück Rasen kurz mähen. Über den Winter ist die Zufütterung von Heu und etwas Getreide von Vorteil. Auch Gemüse, das in der Küche übrig bleibt, Karotten- und Gurkenschalen, Kartoffeln und dergleichen, kann verfüttert werden. Es sollte nur kein Kohl dabei sein. Diesen vertragen viele Tiere nicht! Bei der Anschaffung von Kaninchen sollte immer vorher bedacht werden, ob gezüchtet werden soll für evtl. Fleisch oder zum Wiederverkauf der Jungtiere. Bei der Züchtung wegen des Fleisches sollte zuerst das Töten und Häuten der Tiere fachmännisch erlernt werden, oder es sollte ein Fachmann dazu bereit sein, dies zu übernehmen. Unfachmännisches Schlachten ist absolut inakzeptabel!  Die Felle, werden sie zum Gerber gebracht, sind wunderschön und können zusammengenäht zum Beispiel als Decke verwendet werden. Züchtet man zum Wiederverkauf der Jungtiere, liegt man in der Verantwortung gute Plätze für die Kleinen zu finden. Auch dies gestaltet sich oft nicht so einfach, wie man es sich vorher ausgemalt hat! Wiederstreben einem diese beiden Möglichkeiten, sollten die Tiere entweder gleichgeschlechtlich sein, oder kastriert werden. Kaninchen sollten auch nie alleine gehalten werden. Sie sind gesellige, anschmiegsame Tiere. Diese Eigenschaft macht sie auch so ideal als Spielgefährten für Kinder. Doch sollte den Kindern bitte nie die Verantwortung alleine aufgetragen werden, bzw. sollten die Eltern immer noch ein kontrollierendes wachendes Auge auf das Wohl der Tiere haben.

Ziegen

Milch wird generell als Lebensmittel gesehen und nicht als Getränk. Von daher ist die Milchviehhaltung schon eine nahrhafte Sache. Im Hausgarten gestaltet sich allerdings die Haltung einer Kuh als schwierig. Hier kann auf Ziegen ausgewichen werden. Ziegen sind neugierige, aufgeweckte Tiere. Will man einen Überfall auf die Gemüsebeete vermeiden, sollte der Zaun schon hoch genug und stabil sein oder durch Strom gesichert. Ziegen sind allerdings Meister im Ausbrechen! Sie brauchen genügend Auslauf und lieben es zu klettern. Ein paar Holzstämme oder ein Hochstand verrichten hier sehr gute Dienste. Das Heu sollte mit Kräutern angereichert sein, Rübenpellets im Winter und eine Salzleckschale sind Standard! Ansonsten sind Ziegen sehr gute Futterverwerter und auch sie freuen sich über alle Küchenüberbleibsel. Mit Ziegen kann man auch Gassi gehen. Ist genug Zeit vorhanden, bieten Straßengräben von wenig befahrenen Straßen die notwendigen Kräuter. Bedacht werden sollte noch, Ziegen benötigen etwas mehr Zeitaufwand, vor allen Dingen die  Milchziegen. Täglich morgens und abends muss gemolken werden, nicht nur, wenn Lust auf Milch besteht! Dafür kann diese frische Ziegenmilch eine gute Zuverdienstmöglichkeit sein und sich die Ziegen dadurch auch selbst finanzieren.

Bienen

Artgemäße Bienenhaltung ist mittlerweile mit vielen Beuteformen möglich. Als Bienenkiste, Warré –Beute, Trogbeute = sogenannte Top Bar Hive, der Bienenkorb oder die Bienenkugel. Auch die sogenannte Golz-Beute gehört zur artgemäßen Bienenhaltung. Doch was ist mit artgemäßer Bienenhaltung überhaupt gemeint? Die konventionelle Bienenhaltung ist natürlicherweise auf die Produktion von Honig ausgerichtet. Das heißt, den Bienen wird der ganze Blüten, bzw. Wald-Honig entnommen und  dann mit einer Zuckerlösung wieder aufgefüttert, so dass sie genug Nahrung für den Winter haben. Die Honigwaben sind in Rahmen gebaut, die dem Stock einfach entnommen werden können. Diese Rahmen werden regelmäßig überprüft, der Imker hat viel Arbeit mit dieser Kontrolle. In der artgemäßen Bienenhaltung wird den Bienen mehr Ruhe gegönnt und sie können bauen, wie sie es für richtig halten, im sogenannten Wildwabenbau. Hält man also die Bienen zur Befruchtung von Obstbäumen oder einfach zur ideellen Erhaltung der Honigbiene, so ist eine Bienenkiste genau das Richtige. Doch auch hier kann eine Varroamilbenbehandlung nicht unterlassen werden! Diese Varroamilben sind eingeschleppte Schädlinge, die das Bienenvolk stark schädigen, ähnlich wie ein starker Blattlausbefall die Pflanze so schwächen kann, bis diese stirbt. Diese Milbe hängt sich an die Biene, legt auch ihre Brut zur Bienenbrut, so das die jungen Bienen schon geschwächt schlüpfen, manchmal auch gar nicht mehr flugfähig sind, da die Flügel total verstümmelt sind, durch die Milbe. Für eine perfekte Milbenkontrolle in der artgemäßen Bienenhaltung hat sich die Bienenkugel als Beuteform bewährt. Hier hat die Biene die einzigartige naturgemäße Möglichkeit ihre Waben rund zu bauen, wie sie das auch in einem Baum macht, wenn sich dort ein Schwarm festsetzt. Auch die Kälteecken entfallen, die ganz normal in eckigen Beuten vorkommen. Die Temperatur im Bienenstock ist konstanter und ausgeglichener, als in anderen Beuteformen. Die Bienen selbst sind ebenso ausgeglichener, dadurch auch um ein wesentliches friedlicher. Die Honigernte selbst ist leicht in der Bienenkugel, denn die runden Waben befinden sich in runden Rahmen, die einfach entnommen werden können. Zur Milbenkontrolle muss nicht jedes mal der ganze Stock geöffnet werden, nein, es befindet sich ein Schuber unten an der Kugel, mit dem der Milbenfall genau dokumentiert  und die Behandlungsnotwenigkeit sofort festgestellt werden kann.

Die Honigernte wird normalerweise mit einer Honigschleuder aus Edelstahl vorgenommen. Die Rahmen mit den Waben werden in die Schleuder gehängt und durch die starke Umdrehung wird der Honig aus den Waben geschleudert. Dies funktioniert mit der Naturwabe nicht. Die Wabe muss zerstückelt werden und kann in einem Sieb abtropfen. Oder der Honig wird in einer mechanischen Obstpresse ausgepresst. Dies ist ein etwas klebriges Unterfangen, doch es lohnt sich. Der eigene Honig ist eben doch der allerbeste Honig! Aus den übrig gebliebenen Wabenwachsresten können Kerzen oder Salben hergestellt werden. Jetzt können wir absolut sichergehen, dass alles ganz natürlich ist, denn bei selbstgemachten Salben gelten die eigenen, meist höheren Qualitätsrichtlinien!

Bienenhaltung ist auch auf einem Balkon in der Großstadt möglich. Auch ein Garagendach oder eine Dachterrasse eignen sich dafür. Paradoxerweise finden Bienen in Großstädten meist mehr Nahrung, als auf dem Land. Das Land ist ausgeräumt und dient  nur noch der industriellen Landwirtschaft. Dort ist kein Platz mehr für blühende Feld- und Wegränder, oder gar Wildblumenwiesen. Ein Umdenken tut not, denn die Chinesen leben es bereits vor. Zur Obstblüte klettern sie in den Bäumen herum und bestäuben die Blüten per Hand!

Mehr das nächste Mal, genießt noch die Winterruhe und viel Spaß beim Planen Eurer Nutztierhaltung,

Einlauf der Bienen in eine Top Bar Beehive

Eure Hanne

Veröffentlicht in Aussaatkalender

Regional einkaufen und selber produzieren

Hallo liebe Permagarten-Freunde,

warum warten bis die Lieferketten zusammenbrechen, jetzt ist die beste Zeit, um gezielt vorzusorgen, autark zu werden, die Region zu stärken. Auch ich werde das ab heuer noch intensiver umsetzen! Was ich selbst in meinem Waldgarten nicht produzieren kann, das hole ich beim regionalen Bauern, bzw. regionalen Hofladen. Dazu gehört z. B. Milch (Milchprodukte gingen auch, möchte ich aber ab sofort selber machen), Getreide (Dinkel, Roggen und Hafer, Mehl kann ich selber herstellen, Spätzle auch, Nudeln gibt es regional), dazu gehört auch die Futtermischung für die Hühner, Enten, Kaninchen und Schweine. Eier und Fleisch produziere ich selber, Gemüse und Obst auch. Schuhe gibt es nur noch Lederschuhe und Kleidung entweder second hand oder von der Schäfereigenossenschaft. Grundsätzlich kaufen wir so etwas wie Kinderräder, Baumaterial usw. nur noch aus den Kleinanzeigen. OK, bei der Wandfarbe habe ich jetzt eine Ausnahme gemacht, doch auch hier gäbe es regionale Läden und sowieso deutsche Firmen. Mein Anliegen dabei ist es Abfälle zu vermeiden und Wege kurz zu halten. Dazu setzen wir uns für die Lebensmittelrettung ein. Von großen Konzernen möchte ich überhaupt nichts mehr kaufen, eher werde ich mir kleinere Läden suchen, sofern es sie noch gibt. Elektrogeräte z. B. kaufe ich regional im Elektrofachgeschäft, denn dieses repariert auch bei Bedarf! So entsteht wieder weniger Müll.

Selbst anbauen

Wenn Ihr Euren Garten anschaut, habt Ihr da eine Vorstellung, was dieser Euch alles schenken kann? Es heißt ja, pro Person reichen 300 qm um sich selbst versorgen zu können rund ums Jahr. Dazu muß das aber ausgeklügelt sein und freie Flächen sofort wieder bestückt werden. Wisst Ihr eigentlich, dass kleine Anbauflächen bis zu 12 x produktiver sind, als Feldanbau? Habt Ihr Euch schon einmal überlegt, was und in welchen Mengen Ihr über das Jahr hin gesehen Obst und Gemüse verzehrt?  Natürlich kann auch ich um diese Zeit jetzt Gurken und Tomaten essen, aber aus der Vorratskammer in Form von Essig- oder Salzgurken, Tomatensoße oder eingelegte, getrocknete Tomaten. In Essig/Öl eingelegt oder fermentiert. Schon überlegt wie Ihr Euren Speiseplan auf regional umstellt? Für mich ist das keine große Übung mehr, wie schauts da bei Euch aus?

Steht die Anbauplanung schon für dieses Jahr? Natürlich möchte ich Euch eine kleine Hilfestellung geben dazu. Hier erst einmal ganz grob, was wann vorzuziehen und anzubauen ist.

Januar: Da beginne ich persönlich noch nicht, es stünde zu lange im Haus und das würde den Pflanzen nicht guttun. Schädlinge könnten sich einstellen oder die Jungpflanzen bleiben einfach stehen, oder sie vergeilen (ein Fachausdruck, der die Pflanzen bezeichnet, die zu schnell und lang dem Licht entgegenwachsen).  Pflanzenlampen sehe ich sehr kontrovers, da diese wieder sehr viel Energie verbrauchen.

Februar: Voranzucht von Paprika und Chili im warmen Wohnzimmer, Ende Februar die ersten Salate, aber im kühleren Zimmer, bei ca. 15 Grad

März: Voranzucht von Tomaten, Auberginen, Physalis, Sellerie, Knollenfenchel, Zwiebel und Lauch

Wer ein Frühbeet sein Eigen nennt, oder ein Gewächshaus, der kann dort, je nach Wetterlage bereits die ersten Salatpflanzen auspflanzen. Eingesät werden kann dort im März bereits Radieschen, Asia-Salat, Spinat, Salatrauke und Schnittsalat. Ins Freiland können nun schon Erbsen und evtl. die ersten Salate unter Vlies.

April: Jetzt kann alles Weitere an Gemüse vorgezogen werden, auch die meisten Blumen. Besonders Gurken, Kürbis und Zucchini. Da diese sehr schnell heranwachsen, reicht es Ende April, damit sie nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freiland oder Gewächshaus können. Natürlich können in milderen Gegenden, wie im Rheinland die Gemüse schon früher hinaus, es reicht dort wahrscheinlich eine Vliesabdeckung für kalte Nächte.

Im Mai folgen dann Bohnen, Mais, Basilikum, und alles, was man direkt ins Beet säen möchte.

Kartoffeln werden ab Mitte April bis ca. Mitte Mai gelegt. Früher herrscht Frostgefahr, bzw. holen die später gelegten meist rasant auf und es entsteht kein Vorteil beim frühen Setzen.

Wildgemüse und Wildkräuter

Rhabarber neben Brennnesseln, Liebstöckl, ausdauerndem Buchweizen (hier noch sehr klein) und weiteren Wildkräutern

Toll jedoch sind Wildgemüse und Wildkräuter. Sie kommen jedes Jahr wieder und können stets geerntet werden. Meine Favoriten dabei sind: Rhabarber, Grünspargel, Brennnesseln, Löwenzahn, Giersch, Wiesenbärenklau, Topinambur, Nachtkerzenwurzeln, wilde Pastinaken, Haferwurzeln, Meerrettich, ausdauernde Kresse (Pfefferkraut), ewiger Kohl, ausdauernder Buchweizen, Vogelmiere, Kapuzinerkresse (kommt bei mir mittlerweile jedes Jahr von selbst), verschiedenste Blüten, unter anderem Taglilien und viele weitere. Die wohl wichtigste und nährstoffreichste Wildgemüsepflanze ist die Brennnessel. Sie macht uns stark und versorgt uns mit den wichtigsten Mineralien. Ja, sie brennt, aber würde sie das nicht, hätten wir sie schon längst komplett aufgegessen 😉.

Dieser Blog

Bereits 13 Jahren schreibe ich jetzt diesen Blog. Gerne würde ich Euch heuer wieder mehr an Tipps zur Verfügung stellen, ich hoffe sehr, dass ich das zeitlich schaffe. Dafür investiere ich jetzt auch etwas und schaue, dass diese blöde Werbung verschwindet, die mich selbst immer so irritiert. Dafür setze ich jedoch Buttons zu meinen Publikationen. Wenn sie Euch also interessieren, dann nutzt diese Buttons, wenn nicht, dann nicht.

Saatgut aus dem Mienbacher Waldgarten findet Ihr auch unter www.waldgartenprodukte.de

Eine neue Saatgutliste kann ich Euch aktuell auch wieder zur Verfügung stellen, ihr könnt Sie Euch hier downloaden:

Meinen Waldgarten bewirtschafte ich nun auch schon 12 Jahre lang und wir sind richtig zusammengewachsen. Meist arbeiten mittlerweile auch Praktikanten und Wwoofer mit, alleine ist es mit der Tierhaltung und Familie doch etwas viel auf 1,5 Hektar. Sofern es die Lage zulässt halte ich natürlich auch noch meine Kurse, aber wenn nicht, dann könnt Ihr hier auf meine Homeoffice-Kurse zurückgreifen, Einzelberatungen buchen und/oder meine Publikationen lesen. Diese gibt es natürlich mittlerweile auch als Downloadversionen, wer gerne Papier sparen möchte.

Ich denke, für heute ist es wieder genug, macht Euch eine Liste, was Ihr heuer gerne anbauen wollt, denkt an die Mischkultur (überall kostenlos zum Downloaden) und an das Füttern Eures Bodens! Dazu kann ich Euch diesen Dünger empfehlen.

Schreibt mich ruhig an, wenn Ihr Fragen habt, demnächst gibt es mehr, auch zur Permakultur, bzw. findet Ihr hier in älteren Beiträgen bestimmt auch sehr viel Lesestoff 😉.

Bis dahin, lasst es Euch gut gehen,

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten

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Inselleben geht überall

Hallo liebe Permagarten Freunde,

weil ich mich gerade wie auf einer sicheren Insel fühle, möchte ich das Thema heute gerne als Blogbeitrag erfassen.

Habt Ihr auch schon mal ans Auswandern gedacht? Bestimmt, oder? Habt Ihr Euch dann auch damit auseinandergesetzt, wie Ihr dort leben wollt, Euer Geld verdienen, was wollt Ihr essen? Oder, besser noch, stellt Euch vor, Ihr lebt auf einer einsamen Insel! Egal ob in der Karibik oder bei Schottland 😉, also unabhängig vom Klima.

Was würdet Ihr tun? Wie würdet Ihr Euer Umfeld gestalten, ohne die Möglichkeit im Supermarkt einfach alles kaufen zu können, wonach einem gerade ist.

Schon mal darüber nachgedacht? Was hält Euch davon ab, auch hier so zu leben? Ja logisch brauchen wir hier mehr Geld für Steuern, Versicherungen und dergleichen, aber ich bin mir sicher, dass es woanders, sofern es noch weitestgehend zivilisiert zugeht, auch Nebenkosten geben wird. Also ich versuch Euch das jetzt an meinem Beispiel zu verdeutlichen, dass es geht, überall.

Als ich begonnen habe mir Gedanken über Permakultur zu machen, lebte ich in einer 2Zimmer Wohnung mit genau 4 m2 Garten. Und der war definitiv voll und schon hier konnte ich so einiges für die Küche ernten. Das war vor über 20 Jahren. Danach kam der Umzug in eine größere Wohnung mit größerem Garten, total mit Fichten eingewachsen. Diese wurden dann südseits entfernt und sofort wurde der Garten angelegt. Hier die ersten Hochbeete. Vor 20 Jahren kannte die noch keiner und ein großes Rätselraten in der Nachbarschaft begann. Damals hab ich noch als Floristin gearbeitet. Die Kinder kamen und wir zogen wieder um und wieder um. Mein Garten begleitete mich stets. Mit den Jungs kamen wir dann auf ein kleines Gehöft, bei uns in Niederbayern als Sacherl bezeichnet. Hier hatte ich dann schon 1000 qm2 Garten mit Obstbäumen und viel Gemüse und Beeren. Als 4 Personen Haushalt komplett ausreichend. In diese Zeit viel auch meine Ausbildung in der Permakultur, der Zertifikatskurs nach Bill Mollison. Wegen Anmeldung des Eigenbedarfs zogen wir also wieder um, dieses Mal nur kleiner Garten, gerade genug Platz für Sandkasten und Schaukel für die Kinder, doch sehr ländlich mit Wald, also viel Möglichkeit zum wilden Sammeln. Zu der Zeit begann aber dann der Aufbau des Waldgartens, leider noch 5 km entfernt. Ein Grundstück von Freunden durfte durch mich bewirtschaftet werden. Dies freute mich sehr, hatte ich hier dann doch mind. fast 1 Hektar zur Verfügung mit Obtsbäumen, die wir bereits schon einige Jahre früher gepflanzt hatten. Der Haken: das Grundstück war  mittlerweile total verwildert und die vorhandene Maschinerie konnte dieser Wildnis nicht Herr werden. Also ran an Sense und Sichel. Ja, so entstand der Mienbacher Waldgarten und somit Raum zur Tierhaltung, für Obst und Gemüse. Ich wohne zwar mittlerweile im Ort selbst, aber gehören tut mir immer noch nichts. Weder Haus noch Grund. Aber ich darf es nutzen und das ist das Wichtigste! Nebenbei hab ich noch Gemeinschaftsgärten mit aufgebaut und Netzwerke zu Kollegen  und Landwirten geknüpft in der Region. Mit Fleisch, Getreide, Milch, Gemüse, Obst und Beeren und ganz viel Wildem bin ich jetzt richtig gut versorgt. Was ich noch aus dem Supermarkt hole? Toilettenpapier und Katzenfutter, hauptsächlich. Dadurch bin ich bereits die letzten Jahre jeden Winter sehr zurückgezogen, mal schlachtend, mal Listen schreibend, alleine daheim (natürlich mit Familie). Das es dafür mal einen Begriff wie „im Lockdown“ geben würde, hätte ich im Traum nie gedacht!

Tauschen funktioniert durch die Post auch auf weitere Entfernungen und dadurch, dass ich grade wirklich keine sonstigen Verpflichtungen mehr habe (dank Corona), spare ich auch noch viel Geld, weil ich keine Vorzeigeklamotten mehr brauche, sondern meine second hand Kleidung schön auftragen kann. Und soll ich Euch was dazu sagen? Dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Es ist kein Zwang mehr da, keine Hetze!

Deshalb fühle ich mich auch sehr geborgen auf meiner Insel, mit voller Speisekammer und dem Wissen, mein Saatgutschrank ist voll, ich kann, sobald das Wetter es erlaubt, sofort wieder loslegen mit dem Anbau.

Und wenn ein Tsunami meine Insel wegspült, mir also die Pacht gekündigt werden würde, dann ginge ich einfach auf eine andere „Insel“ und würde dort weiter machen. Es geht überall. Im Kleinen und im Großen, in Töpfen und auf Beeten, einfach überall wächst über den Sommer hin alles so wunderbar, man braucht es sich nur zu holen.

Wichtig jedoch ist immer, das Wissen mit im Gepäck zu haben, das sogenannte Know How. Wissen wie es geht. Und dieses Wissen kommt nur durchs Tun. Und nicht von 0 auf 100. Es ist ein langsamer Prozess.

Und wenn Ihr wirklich nur eine Stadtwohnung habt und die Warteliste für den nächsten Schrebergarten oder Sonnenacker extrem lang ist, dann schließt Euch einer Gemeinschaftsgärtnergruppe an oder einer solidarischen Landwirtschaft. Werdet Wildsammler und lernt alles Essbare kennen, und, sofern Ihr Fleisch esst, übernehmt Anteile von Direktvermarktern. Baut Euch Euer Netzwerk auf, dass Euch hält und sichert. So lebt ihr immer auf einer sicheren Insel und seid dabei mit Menschen zusammen, die zu Familie werden können.

Somit wünsche ich Euch ganz viel Mut ins Tun zu kommen und Euch das Paradies aufzubauen.

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten

PS: Wer übrigens mehr über das Selber machen wissen möchte, meine Artikel aus der Serie „Was unsere Omas noch alles selber machen konnten“ könnt Ihr jetzt bestellen. Kurse findet Ihr auf meiner Hauptseite www.mienbacher-waldgarten.de

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Ethikpunkt 3 der Permakultur: Fair share

Hallo liebe Permagartenfreunde,

sehr gerne möchte ich heute auf den dritten Punkt der Permakulturethik eingehen. Gerechtes teilen.

In meiner Arbeit zur Planung und Gründung von Gemeinschaftsgärten kommt es immer mal wieder vor, dass Argumente kommen, wie: „Komme mit meinem Garten nicht rum, warum soll ich mir auch noch Mühe woanders machen?“ oder „Wenn ich da jetzt anbaue, dann könnte mir das ja jemand anderer weg nehmen!“ Die Angst davor umsonst gearbeitet zu haben, sitzt enorm tief in uns Menschen drinnen. Angst bestohlen zu werden, oder nicht genug Gegenleistung bekommen zu haben. Dabei geht Energie im Universum nicht verloren! Ja, es kann sein, dass der eine etwas wegnimmt, dann kommt es aber von anderer Stelle wieder! Um aber in diesem Punkt richtig teilen, tauschen, schenken zu können, muß man ins Vertrauen kommen. Ins Vertrauen, dass für einen gesorgt wird. Und das glaub ich, können nur diejenigen so richtig gut, die schon sehr viel verloren haben, es aber immer wieder geschafft haben viel zu haben. Ich schreibe bewußt nicht, viel zu besitzen! Das ist sowieso nur ein Trugschluß. Ja logisch können wir viel besitzen, aber wenn es soweit ist, dass wir dieses Leben verlassen, können wir ja doch nichts mitnehmen. Das letzte Hemd hat keine Taschen!  Und doch benehmen sich viele Menschen so, als ob sie ewig leben würden und alles mitnehmen könnten.

Dabei ist es so einfach, wenn man in der Fülle ist, zu teilen. Dazu genügt es auch, sich „nur“ in der Fülle zu fühlen. Das heißt, mit dem zufrieden zu sein, was man hat und das zu geben, wo man gerade zu viel hat. Und Schwupp die Wupp kommt von anderer Seite herein, was gerade für einen selbst vonnöten ist. So ist das Leben, so ist es Naturgesetz. Also weg vom Horten, hin zum Geben.

Zum gerechten Teilen gehört aber auch, die anderen Menschen so leben zu lassen, wie sie es für richtig halten! Helfen, wo Hilfe gebraucht wird, nicht zu helfen, wo man nicht erwünscht ist. Kann auch vorkommen. Wenn jemand kein Gemüse anbauen möchte, vielleicht hat er/sie andere Qualitäten, die man in die Gemeinschaft einbringen kann. Es gibt sooo viele Möglichkeiten! Möglichkeiten zu tauschen, zu teilen, zu schenken. Allein, wenn zum Beispiel bei Haushaltsauflösungen die Dinge wieder neue Verwendung bekommen ohne weggeschmissen werden zu müssen. Achtung vor Gebrauchsgegenständen, würde ich das nennen. Wertschätzung dem Gegenstand gegenüber. Logisch, dem Gegenstand selbst wird es egal sein, er fühlt ja nichts, aber es macht einen Unterschied, ob ich, wenn ich etwas brauche, es einfach neu kaufe, oder mich umsehe und es gebraucht finde.

Lehmbackofenbaukurs am Erlebnishof Kulmbach. Hier hab ich den Lehm beigesteuert 😉

Dabei zählen die 5 R´s auch wieder: Refuse (vermeiden), Reduce (verringern), Reuse (wiederverwenden), Repair (reparieren), Recycle (aufbereiten).

Unter den Permakultur-Prinzipien wäre es: „Finde kleine und langsame Lösungen“

Und: „Produziere keinen Abfall“

Bill Mollison sagte dazu einst: „Bedenkt die langfristigen Folgen eurer Handlungen. Jede Gestaltung hat auch zu berücksichtigen, welche Langzeitfolgen für Menschen und Natur der geplante Eingriff nach den bisher bekannten Erfahrungen und Erkenntnissen (also nach dem Stand der Wissenschaft und Technik) bewirken kann.“

Dies betrifft auch den sozialen Bereich. In vielen Bereichen ist gerade Rückzug vonnöten (corona-bedingt), doch vernetzt Euch, arbeitet an Euren Gartenprojekten, sucht Euch die Direktvermarkter Eurer Gegend, sammelt Wissen und tauscht Euch aus! Tauscht Wissen, teilt und schenkt Waren die Ihr nicht mehr braucht, fragt nach den Dingen, die Ihr selbst braucht und fühlt die Zufriedenheit, die ein einfaches, bodenständiges, flexibles Leben hervorruft.

Yaconblüte

Permakultur ist mehr als nur Gemüse anzubauen! Es ist der Aufbau von stabilen, zukunftsfähigen Lebenssystemen, wo jeder hat, was er zum Leben braucht und gibt, von dem was er genug hat. So können alle ein zufriedenes Leben führen, hoffentlich.

Eure Hanne vom Mienbacher Waldgarten