Hannes Permagarten Blog

Aussaatzeiten und Tips für angehende permakulturelle Selbstversorger

Zukunftsfähige Lebensraumgestaltung? 29. Juni 2018

Filed under: Permakultur — permagarten @ 18:31
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Hallo liebe Permagarten-Freunde,Extensivbeet Ende Juni

Wenn Ihr regelmäßig meinen Permagarten-Blog verfolgt, dann könnt Ihr Euch bestimmt noch daran erinnern, als ich das Projekt Tiny House für unsere Familie ankündigte. Eine tolle Firma war gefunden, die uns unsere Wägen nach Maß bauen wollte. Die Zimmerei Pletz. Der Plan ist gezeichnet, die Kosten kalkuliert. Geplant war 100 % Autarkie. Ein eigener Wasserkreislauf mit Vorfilterung, Klärteich und Wasserfiltern der Firma Seccua, Strom mit Photovoltaik und Stromspeichern. Ein festes Mittelteil hätte die drei Wägen optisch verbunden, so dass man auch trocken, von einem zum anderen hätte gehen können. Wir hatten uns schon total auf Minimalismus eingestellt, begonnen auszumisten.Engültiger Plan

Doch wir leben in Deutschland und als Seminarort und Familie mit drei Kindern war es uns auch wichtig, das alles seine Richtigkeit hat, auch in rechtlicher Hinsicht. Wir gingen also, unterstützt mit dem Bürgermeister vor Ort, zum Landratsamt, um eine Vorberatung zu bekommen und um zu wissen, was für die Einreichung einer Genehmigung so alles vonnöten ist.

Und dann platzte unsere schöne Blase, der Traum vom autarken, nachhaltigen Leben in der Natur. Wie bereits erwähnt, wir leben in Deutschland. Man ist verpflichtet sich an das Kanalnetz anzuschließen. Man ist verpflichtet, sich an das Trinkwassernetz anzuschließen. Das Gelände, auch wenn es bereits vom landwirtschaftlichen Grund in Gartengrund und in die Ortsabrundung mit eingebunden worden ist, ist nicht erschlossen. Diese „Erschließung“ würde uns zusätzlich um die 80.000 € kosten. Da es sich aber um Pachtgrund handelt, ist dies für uns hinfällig. Es interessiert hier auch nicht, dass es mein Firmengelände ist und es wichtig wäre, wenn ich vor Ort auch Leben könnte. Dies spielt keine Rolle.Äpfel mit Regentropfen

Wir hatten uns dann noch informiert, in Sachen Sonderkulturen im landwirtschaftlichen Bereich, z. B. auf ein Feld eine Aquaponic-Kultur einzurichten (in Gewächshäusern). Auch dies würde uns nicht genehmigt werden, weil wir nicht “privilegiert“ genug sind. Das heißt im Klartext: Wenn wir einen großen landwirtschaftlichen Betrieb besäßen, wären Sonderkulturen kein Problem. Dies spielt auch keine Rolle, ob es sich um ökologische zukunftsfähige Projekte handeln würde, oder nicht. Dies erklärt auch, dass große landwirtschafliche „privilegierte“ Betriebe, Massentierhaltungsställe mitten in die Pampa setzen dürfen, wir aber unsere mobilen Wägen nicht mal in unseren Pachtgarten. Übrigens brauchen auch TÜV-zugelassene Wägen, wenn sie länger als  3 Monate am gleichen Platz stehen und bewohnt sind, eine Baugenehmigung, und die bekommt man nur auf erschlossenen Baugrundstücken, und das ist auch nicht sicher! Die Stadt Zwiesel ist z. B. der Meinung ein Tiny House würde nicht ins Ortsbild passen! (Anderer Fall, anderer Besitzer, Tiny House wurde supertoll selbst gebaut!) Dies möcht ich hier aber nicht näher ausführen, mein Hals schwillt nämlich schon wieder an!

So, jetzt sitzen wir wieder da. In unmittelbarer Nähe meines Waldgartens gibt es nicht einmal Bauplätze. Leistbare Wohnungen, die ökologisch einigermaßen vertretbar sind, auch kaum. Alte leerstehende Häuser gäbe es, doch die Bewohnbarkeit ist nicht mehr gegeben, oder die Eigentümer weigern sich sie zu vermieten oder zu verkaufen. Rein seelisch und moralisch häng ich grad wieder total in den Seilen.

Der Lichtblick ist mein Waldgarten.

Die Bäume hängen voller Früchte, wir schwelgen gerade noch voll in den Beeren, wie Himbeeren in rot, gelb und schwarz, die Johannisbeeren unterschiedlicher Farben,  Josta, Stachelbeeren, Taybeeren. Bald kommen die japanischen Weinbeeren. Die Felsenbirnen und Erdbeerenzeit ist nun leider zu Ende, doch auch diese beschenkten uns heuer sehr reichlich.

Das Gemüse wächst herrlich heran und auch wenn mein großes Folien-Gewächshaus noch nicht fertig ist, die Tomaten gedeihen auch in den Töpfen.Zucchinischwemme

Mein Trost, um positiv in die Zukunft sehen zu können, ist, dass sich zum Glück immer mehr Universitäten und Studenten mit dem Thema Waldgarten auseinandersetzen. Waldgärten bieten ein Auskommen, bieten Lebensmittel in Hülle und Fülle, eine Vielfalt ohne Gleichen und das Allerwichtigste,  Waldgärten bieten Vögeln und Insekten, Igel, Reptilien, Wieseln und weiteren einen Lebensraum. Es sind Oasen, in denen sich das Leben abspielt, das anderswo bereits nicht mehr zu finden ist. In der landwirtschaflichen  Kulturlandschaft und in den sterilen Siedlungsgärten der Wohnsiedlungen jedenfalls haben die meisten dieser Tiere kaum noch Platz. Die Zeit wird knapp. Wir brauchen noch jede Menge solcher ökologischer Oasen, um die Artenvielfalt zumindest einigermaßen erhalten zu können. Umso mehr freut es mich, dass Markus Gastl für seinen Hortus Insectorum und die Gründung des Hortus Netzwerkes mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet wurde! Auch freut es mich, dass der erste essbare Wildpflanzenpark in der Oberpfalz eingeweiht wurde! Mehr dazu auf www.ewilpa.net.

Unsere Politik könnte auch mal  in´ s Nachbarland Frankreich  schauen, um sich positive Beispiele zu holen, wie z. B. die Vorschrift, dass auf Industriegebäuden, die meist Flachdächer sind, Gründächer mit blühenden Gründachmischungen gedeihen und zusätzlich zu einem positiveren Kleinklima beitragen. Dies würde den Insektenschwund bei uns in Deutschland auch um einiges aufhalten können. Zusätzlich wird  mittlerweile in 3 französischen Städten  das Pilotprojekt der Haushühner durchgeführt. Jeder Haushalt bekommt ein Huhn geschenkt. Wohnblocks haben dann einen Gemeinschaftshühnergarten. So wird der Biomüll um 75 % reduziert. Das Huhn als produktiver Abfallverwerter. So kann sich auch das Verhältnis vom Stadtmenschen zu diesem  tollen Nutztier wieder verbessern. Die Lösung läge auch im Essverhalten der Menschen. Die Zauberworte wären Regional und Saisonal. Warum brauchen wir im Winter Tomaten und Gurken? Warum im Sommer Bananen? Viele Landwirte würden ihre Bewirtschaftungsweise umstellen, könnten sie sicher sein, dass eine Direktvermarktung ab Hof funktionieren würde, bzw. von den Leuten angenommen werden!

Es ist eine Schande, dass die Trennung von Natur und Mensch immer weiter voran schreitet! Doch Hauptsache, es ist dabei immer alles schön sauber und nach außen hin heile Welt, so dass ja keiner sehen kann, was hinter der Fassade los ist, rein bildlich gesprochen.

Ich schreibe normal immer lieber über Positives, über tolle Ergebnisse, über schon Erreichtes und Lösungen. Doch auch ich hab von Zeit zu Zeit Frust. Mein Paradies ist leider nur einen Hektar groß und ich muss es täglich verlassen. Tragt mir dies bitte nicht nach.

 

Das nächste Mal bekommt Ihr wieder positivere Meldungen, versprochen.

Eure Hanne

 

 

 

 

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Ein Garten wird zum wilden Urwald 6. Juni 2018

Filed under: Uncategorized — permagarten @ 16:35

Hallo liebe Permagarten – Freunde,

es gibt viel zu tun momentan, deswegen entschuldigt bitte, dass ich im Mai nichts von mir hören hab lassen. Es ist zur Zeit wirklich paradiesisch und wir sind schon voll am Ernten! Banner-nutzgarten-160x600

Ich möchte Euch gleich noch auf den Nutzgarten-Onlinekongress hinweisen, der vom 14. bis 21. Juni läuft. Dort wird unter vielen weiteren Fachleuten, auch ein halbstündiges Interview mit mir dabei sein. Wenn Ihr also Lust habt, mich und z. B. noch Dr. Markus Strauß, Sepp Holzer, Michael Hartl und Lisa Pfleger, Karl Ploberger und viele viele weitere mehr zu sehen und zu hören, dann macht mit!

Mir wächst zur Zeit bereits wieder alles um die Ohren, und über mich hinaus usw. Doch es ist herrlich. Die Beerenzeit beginnt mit Maibeeren, Erdbeeren und Felsenbirn“beeren“. MaulbeereAuch die Maulbeeren werden reif und als Hühnerselbstfütterungssystem sieht man in den Hühnergehegen momentan die Hühner sehr sportlich hochspringen! Die mittleren Maulbeeren sind für uns und die oberen gehören den Amseln und Drosseln. Und die sind wirklich fleißig! So ist immer genug für alle da 😉Glucke mit 6 Küken

Das sollte generell im Garten auch immer bedacht werden. Alles so pflanzen, dass genug für alle da ist! Sowohl für uns, als auch für die Schnecken, die Igel, die Eidechsen, die Wildbienen und Hummeln, die Florfliegen, Marienkäfer, Ohrwürmer, Schmetterlinge, Vögel usw. Sobald man jedoch die Jagd eröffnet, z. B. mit Schneckenkorn, verändert man das sich selbst enfaltende ökologische Gleichgewicht und Druck erzeugt ja bekanntlich Gegendruck. Mit diesen Giftstoffen werden nämlich auch natürliche Feinde der spanischen Wegschnecke erlegt. Der Tigerschnegel und die Weinbergschnecken. Natürlich dauert es, dieses ökologische Gleichgewicht aufzubauen. Es braucht auch viel Geduld, wenn sich da Horden von Schnecken über die geliebten Pflänzchen hermachen. In der Übergangszeit ist es deshalb auch gut Pflanzen in den Garten zu holen, an denen die Schnecken kein Interesse haben. Wie z. B. die mauretanische Malve oder die chin. Gemüsemalve, die sich auch hervorragend als Salate eignen. Auch Ringelblumen sind toll, ausdauernde Kresse, Haferwurz, Rucola usw. Außerdem bieten sich ja noch alle Wildpflanzen an. Der Löwenzahn und über den Sommer der Wiesenpippau, der reichlich blüht und Blätter treibt. Eine Salatvariation die vom Geschmack an Zichoriensalate erinnert.

Übrigens solltet Ihr jetzt im Juni auch schon wieder an den Herbst denken! Die Herbstsalate sind dran mit der Aussaat. Endivien, Zuckerhut, Chinakohl usw.

Ihr bekommt jetzt hier einfach noch ein paar Waldgartenimpressionen in Bildform. Das ist doch Ok, oder?

Genießt den Sommer und vielleicht habt Ihr ja auch mal Lust einen Kurs oder eine Waldgartenführung bei mir zu besuchen. Ihr findet dazu alle Infos auf www.mienbacher-waldgarten.de

Eure Hanne

 

 

 

 
Mienbacher Waldgarten

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